Solothurner Literaturtage: das grösste Literaturfestival der Schweiz

Jedes Jahr im Mai wird Solothurn zum wichtigsten Literaturtreffpunkt der Schweiz. Rund 80 bis 140 Autorinnen, Autoren und Übersetzerinnen aus allen vier Sprachregionen und aus dem Ausland kommen in die Barockstadt, lesen aus ihren Neuerscheinungen, diskutieren auf Podien und begegnen dem Publikum in einer Atmosphäre, die nirgendwo sonst in der Schweiz so persönlich und direkt ist. Die Solothurner Literaturtage sind das grösste mehrsprachige Literaturfestival der Schweiz, entstanden 1978 auf Initiative von Autoren wie Otto F. Walter und Peter Bichsel.

Auf einen Blick

Literaturtage 202615. bis 17. Mai 2026 (bereits durchgeführt)
Ausgabe 202648. Solothurner Literaturtage
Literaturtage 2027Wochenende nach Auffahrt, voraussichtlich Mai/Juni 2027
DauerFreitag bis Sonntag
EintrittEinzeltickets pro Veranstaltung, Tagespässe und Festivalpässe
VeranstalterVerein Solothurner Literaturtage
AdresseDornacherplatz 15a, 4502 Solothurn
Telefon032 622 44 11
E-Mailinfo@literatur.ch
Websiteliteratur.ch

Geschichte: Literatur als Aufbruch 1978

Die Solothurner Literaturtage entstanden aus einem kulturpolitischen Aufbruchsgedanken. Im Frühjahr 1978 gründeten engagierte Autorinnen, Autoren, Bibliothekarinnen und Kulturschaffende den Verein Solothurner Literaturtage. Die Gründungsversammlung fand am 25. August 1978 statt, die erste Mitgliederversammlung am 22. September 1978. Zu den treibenden Kräften gehörten der Autor Otto F. Walter und der Schriftsteller Peter Bichsel, dessen Name in Solothurn ohnehin untrennbar mit dem Kulturleben verbunden ist.

Das Ziel war klar definiert: ein Forum für das aktuelle Literaturschaffen in der Schweiz zu schaffen, das den Kontakt und Austausch zwischen Autorinnen, Übersetzern, Publikum, Medien und Verlagen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene fördert. Das war 1978 ein Novum in der Schweizer Kulturlandschaft. Es gab keine vergleichbare mehrsprachige Plattform für zeitgenössische Literatur aller Landessprachen.

Die Rechnung ging auf. Schon in den frühen Jahren entwickelten sich die Literaturtage zur wichtigsten Plattform für zeitgenössische Schweizer Literatur. In den vergangenen rund 45 Jahren stellten die Literaturtage über 1600 verschiedene Autorinnen und Autoren vor. Literaturnobelpreisträger wie John M. Coetzee, Günter Grass, Imre Kertész, Herta Müller, Claude Simon und Wole Soyinka haben in Solothurn gelesen.

Wie die Literaturtage funktionieren

Die Solothurner Literaturtage finden jedes Jahr am Wochenende nach Auffahrt statt, von Freitag bis Sonntag. Die offizielle Eröffnung findet am Auffahrtsdonnerstag statt. Das Programm umfasst über 150 Einzelveranstaltungen mit rund 80 bis 140 eingeladenen Autorinnen, Autoren und Übersetzerinnen.

Im Mittelpunkt stehen moderierte Lesungen und Gespräche zu Neuerscheinungen aus den Sparten Prosa, Lyrik, Spoken Word, Graphic Novel, Kinder- und Jugendliteratur sowie Übersetzungen. Ergänzt wird das Programm durch Diskussionsrunden, Podien, Workshops, Konzerte und spielerische Formate. Das Programm der Literaturtage richtet sich gleichermassen an die interessierte Öffentlichkeit wie an das Fachpublikum.

JuKiLi: Kinder- und Jugendliteraturtage

Vor den eigentlichen Literaturtagen finden die JuKiLi statt: die Kinder- und Jugendliteraturtage. Autorinnen und Illustratoren der Schweizer Kinder- und Jugendbuchszene stellen ihre Neuerscheinungen in Lesungen und Workshops vor vielen Schulklassen vor. Die JuKiLi bringen Literatur direkt in die Schulen und machen Kinder zu Lesenden, lange bevor sie zum eigentlichen Festival kommen.

Eidgenössische Literaturpreise und Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis

Die Literaturtage sind auch Bühne für zwei der wichtigsten literarischen Auszeichnungen der Schweiz. Am Mittwochabend vor den eigentlichen Literaturtagen werden in Solothurn die Eidgenössischen Literaturpreise verliehen. Am Samstag während der Literaturtage folgt die Verleihung des Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreises. Diese beiden Ereignisse machen die Literaturtage zur zentralen Preis- und Anerkennungsplattform der Schweizer Literatur.

Die Spielstätten: das Landhaus als Zentrum

Das Herz der Solothurner Literaturtage ist das Landhaus Solothurn, das mit drei Lesesälen und einem Informationspunkt zum Festivaldorf wird. Das Stadttheater, der Konzertsaal, der Kreuzsaal und das Kino Palace sind weitere feste Spielstätten. Seit 2026 sind die Literaturtage auch als Live-Audiostream zugänglich, für alle, die nicht vor Ort sein können.

Was die Literaturtage von grossen Literaturfestivals unterscheidet: Die räumliche Nähe der Veranstaltungsorte. Alles liegt in der Solothurner Altstadt, alle Spielstätten sind zu Fuss erreichbar. Das schafft eine familiäre Stimmung, bei der man zwischen zwei Lesungen problemlos einen Kaffee auf der Hauptgasse trinken oder am Landhausquai an der Aare sitzen kann.

Die 48. Literaturtage 2026

Die 48. Ausgabe der Solothurner Literaturtage fand vom 15. bis 17. Mai 2026 statt. Rund 70 Autorinnen und Autoren waren vor Ort, über 150 Veranstaltungen standen auf dem Programm. Höhepunkt war die Buchpremiere von Lukas Bärfuss mit seinem neuen Werk «Königin der Nacht». Der Österreichisch-bulgarische Schriftsteller Dimitré Dinev stellte seinen monumentalen 1140-seitigen Roman «Zeit der Mutigen» vor, der 13 Jahre in der Entstehung brauchte. Ebenfalls dabei: der belarussische Autor und Journalist Sasha Filipenko, der in der Schweiz lebt und mit «Die Elefanten» eine politische Satire mitbrachte.

Tickets und Mitgliedschaft

Einzeltickets können pro Veranstaltung erworben werden. Tages- und Festivalpässe bieten sich für alle an, die mehrere Veranstaltungen besuchen möchten. Das detaillierte Programm der jeweils nächsten Ausgabe wird rund einen Monat vor dem Festival auf literatur.ch veröffentlicht.

Wer die Literaturtage dauerhaft unterstützen möchte, kann Vereinsmitglied werden (CHF 130 pro Jahr) oder Gönnermitglied (CHF 500 pro Jahr). Mitglieder erhalten die Dauerkarte und die Programmzeitung per Post und sind an der jährlichen Generalversammlung stimmberechtigt.

Quellen: literatur.ch | Wikipedia Solothurner Literaturtage | solothurn-city.ch | myswitzerland.com | srf.ch | sogenda.ch

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