Solothurner Fasnacht: Honolulu erwacht

Jeden Februar verwandelt sich Solothurn in Honolulu. Der Stadtammann wird abgesetzt, die Rathausgasse heisst plötzlich «Eselsgasse», und um 5 Uhr morgens stürmen Hunderte von Nachthemden und Zipfelmützen mit Kuhglocken und Rätschen durch die schlafende Altstadt. Die Solothurner Fasnacht gehört zu den eigenwilligsten, stimmungsvollsten und liebevollsten Volksbrauchtum der Schweiz. Rund 30’000 Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr, 1400 Aktive gestalten das Geschehen. Und das schon seit dem 15. Jahrhundert.

Auf einen Blick

Fasnacht 202612. bis 18. Februar 2026 (bereits durchgeführt)
Motto 2026«Gässli uf gässli ab»
Fasnacht 2027Schmutziger Donnerstag 25. Februar 2027
BeginnHilari, 13. Januar (symbolisch), Chinderchesslete Mi vor Schmutzigem Donnerstag
Chesslete5:00 Uhr, Friedhofplatz (Säulimäret)
UmzügeSonntag und Dienstag, 14:31 Uhr, ab Amthausplatz
TrägerNarrenzunft Honolulu, Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn (UNO)
Websitefasnacht-solothurn.ch

Warum Solothurn «Honolulu» heisst

Die Frage stellen sich alle, die zum ersten Mal an der Solothurner Fasnacht sind: Warum nennt sich die Barockstadt am Aare plötzlich Honolulu? Die Antwort ist so einfach wie charmant. Ein Witzbold behauptete irgendwann, Solothurn liege genau gegenüber von Hawaii, auf der anderen Seite der Erdkugel. Diese Theorie ist geografisch natürlich Unsinn. Aber in Solothurn hält man daran fest. Konsequent, augenzwinkernd und mit grosser Freude. Seither heisst die Stadt in der Fasnachtszeit «Honolulu», der Stadtammann wird vom Ober der Narrenzunft abgesetzt, und die Rathausgasse trägt ihren alten Namen «Eselsgasse».

Geschichte: Fasnacht seit dem 15. Jahrhundert

Die Solothurner haben nachweisbar schon im 15. Jahrhundert Fasnacht gefeiert. Die Umzüge glichen damals, in bescheidener Form, eher einem Karneval von Nizza: schöne Kostüme, prunkvolle Wagen, viel Farbe. Schon 1777 reglementierte die Obrigkeit die Fasnachtsbälle: Ab dem Hilaritag am 13. Januar durften diese einmal wöchentlich bis Aschermittwoch stattfinden. Seit 1888 treffen sich die Mitglieder der Narrenzunft Honolulu sowie weitere Interessierte jeweils am Hilari zur Generalversammlung, heute im Restaurant Zum alten Stephan.

Die Narrenzunft Honolulu trägt die Hauptverantwortung für die Organisation der Fasnacht. Die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn (UNO) koordiniert die einzelnen Gruppen und legt jedes Jahr im März das Motto für die folgende Fasnacht fest. Das Motto von 2026 lautete «Gässli uf gässli ab» und diente den Gruppen als Leitfaden für Kostüme, Wagen und Schnitzelbänke.

Der Fasnachtskalender: Tag für Tag

Hilari, 13. Januar: der symbolische Auftakt

Der Namenstag des Heiligen Hilarius am 13. Januar gilt als symbolischer Startschuss. Das lateinische Wort «hilaris» bedeutet «fröhlich» und «heiter». An diesem Tag trifft sich die Narrenzunft Honolulu zur Generalversammlung, und der Geist der kommenden Fasnacht erwacht in den Herzen der Solothurnerinnen und Solothurner.

Mittwoch vor Schmutzigem Donnerstag: Chinderchesslete

Die eigentliche Fasnacht wird inoffiziell durch den Nachwuchs eröffnet. Am Mittwochnachmittag vor dem Schmutzigen Donnerstag startet um 15 Uhr die Chinderchesslete. Über 1000 Kinder, Eltern, Tanten, Grosseltern und viele weitere strömen lärmend durch die Gassen der Stadt. Der Umzug startet auf dem Dornacherplatz und führt durch die Altstadt zurück in die Vorstadt. Dort erhält nach alter Tradition jedes Kind ein Mütschli und ein Chnörzli. Die Chinderchesslete wurde 1965 von der Fasnachtszunft Vorstadt ins Leben gerufen und ist seit 1982 fester Bestandteil des offiziellen UNO-Programms.

Schmutziger Donnerstag: die Chesslete um 5 Uhr

Genau um 5:00 Uhr morgens gibt der Oberchessler auf dem Friedhofplatz (Säulimäret) das Startsignal. Mit Kuhglocken, Rätschen, Hörnern und jedem erdenklichen Lärminstrument stürmen die Chesslerinnen und Chessler durch die schlafende Altstadt. Das Tenü ist vorgeschrieben: weisses Nachthemd, Zipfelmütze und rotes Halstuch. Vom kleinsten Knirps bis zum Grosspapa ist alles vertreten. Die Route ist geheim und nur dem Oberchessler bekannt. Nach dem Rundgang durch Alt- und Vorstadt gibt es ab 6 Uhr gratis Mehlsuppe in den Beizen der Altstadt.

Am Nachmittag verkleiden sich die Kinder und liefern sich in der Hauptgasse die ersten Konfetti-Schlachten. Am Abend ziehen Gruppen von Beiz zu Beiz, begleitet von Guggemusigen, Tambouren und den legendären Schnitzelbänklern. Es finden fasnächtliche Vorführungen im Stadttheater statt.

Freitag: Guggen in der Stadt

Am Freitagabend zirkulieren die GUSO-Guggen in der Stadt, geben Platzkonzerte auf dem Marktplatz und treten in Wirtshäusern auf. Schnitzelbankgruppen ziehen durch die Gassen. In jedem Winkel der Altstadt begegnet man einer Gugge. Die Beizen sind bis in die frühen Morgenstunden geöffnet.

Samstag: Maskenbälle

Der Samstagabend gehört den Maskenbällen. In Solothurn finden sie an verschiedenen Orten gleichzeitig statt: der Bloosoball, der Eleven-Maskenball in der Rythalle, der Maskenball in der Druckerei, in der Kronen-Garage und im Solheure. Kostümpflicht ist fast überall Bedingung. Die Bälle dauern bis tief in die Nacht.

Sonntag und Dienstag: die grossen Umzüge

Die Höhepunkte der Solothurner Fasnacht sind die zwei grossen Umzüge am Sonntag und am Dienstag. Pünktlich um 14:31 Uhr eröffnet ein Böllerknall auf dem Amthausplatz den Zug. Die Route führt vom Amthausplatz durch das Bieltor (das berühmte Nadelöhr, an dem die Wagenbauer jedes Jahr technische Raffinessen beweisen müssen), durch die Gurzelngasse, die Hauptgasse, an der St.-Ursen-Kathedrale vorbei, über die Kreuzackerbrücke in die Vorstadt und zurück. Prominente werden von den Wagen herab aufs Korn genommen, das Publikum am Strassenrand ist mittendrin.

Im Anschluss an den Sonntags- und Dienstagumzug findet auf der St.-Ursen-Treppe die legendäre Monster-Guggerete statt. Die ganze Hauptgasse wiegt sich im Rhythmus der farbenprächtigen Guggenmusiken. Seit 1970 ist die Monster-Guggerete nach dem Sonntagsumzug fester Bestandteil des Programms.

Dienstagabend: «I ma nümm»

Am Dienstagabend tritt das Narrenvolk zum Zapfenstreich an und singt «I ma nümm». Die demaskierten Fasnächtler hüpfen zur monotonen Melodie durch die Umzugsroute. Ein Moment, der gleichzeitig ausgelassen und wehmütig ist. Nach dem Auflösen des Zuges beim Baseltor steigen die Aktiven nochmals ins Treiben, feiern durch die Nacht bis in den Aschermittwochmorgen.

Aschermittwoch: der Böögg brennt

Der letzte Akt der Solothurner Fasnacht ist der Böögg-Brand. Seit dem Jahr 1900 wird ein fünfmal lebensgrosse Figur dem Feuer übergeben. Was 1900 noch ein Papierdrache auf dem Marktplatz war, ist heute eine aufwendig gestaltete Fantasiegestalt. Jahr für Jahr wechselt das Geschlecht des Bööggs. Während die Honolulu-Narren die brennende Figur umkreisen und es knallt und lodert, setzt die lateinische Mahnung ein: «Gedenke, Mensch, dass du Staub bist.» Mit der Asche des Bööggs verwandelt sich Honolulu wieder in Solothurn zurück.

Die Schnitzelbänke: Satire mit Tradition

Ein besonderes Element der Solothurner Fasnacht sind die Schnitzelbänke. Diese satirischen Strophenvorträge kommentieren das politische und gesellschaftliche Leben der Stadt und des Kantons mit spitzem Witz und regionalen Anspielungen. Verschiedene Schnitzelbank-Clubs bereiten ihre Texte monatelang vor und tragen sie in Beizen, Restaurants und bei Sonderveranstaltungen vor. Wer die Solothurner Verhältnisse kennt, wird am lautesten lachen. Im Kapuzinerkloster finden traditionell Schnitzelbank-Auftritte mit einem breiten Angebot verschiedener Gruppen statt.

Die Fasnachtszeitungen

Zur Solothurner Fasnacht gehören auch die lokalen Fasnachtszeitungen. «Dr Hudibras», «Postheiri» und das «Amzblatt» erscheinen jedes Jahr kurz vor der Fasnacht und bringen närrischen Lesestoff mit scharfem Blick auf die Lokalprominenz. Eine Tradition, die das Gesellschafts- und Politikleben der Stadt auf ganz besondere Weise kommentiert.

Beizen, Balls und Stimmung: das gesellige Drumherum

Die Solothurner Fasnacht findet nicht nur auf der Strasse statt. Die Beizen und Restaurants der Altstadt sind während der gesamten Fasnachtswoche bis tief in die Nacht geöffnet und voller Leben. Der 12i Chlapf, 2004 gegründet und seit 2005 regelmässig durchgeführt, ist ein weiterer Fixpunkt im Fasnachtskalender. Die Maskenbälle in Rythalle, Druckerei, Kronen-Garage und Solheure verwandeln Samstagnächte in unvergessliche Erlebnisse.

Für Besuche aus der Region lohnt es sich, frühzeitig eine Unterkunft zu buchen: Solothurn ist während der Fasnacht sehr gut besucht. Mit dem Zug ist man schnell da, Bern ist in rund 35 Minuten, Zürich in rund 75 Minuten erreichbar.

Praktische Infos

Die Fasnacht ist öffentlich und kostenlos zu beobachten. Eine Fasnachtsplakette ist für viele Anlässe und Bälle der Eintritt. Wer aktiv mitmachen möchte, wendet sich an die jeweiligen Clubs und Zunftgruppen. Das offizielle Programm wird jedes Jahr von der UNO Solothurn veröffentlicht und ist auf fasnacht-solothurn.ch abrufbar. Für Parkplätze empfehlen sich die Parkhäuser Bieltor, Baseltor und Berntor.


FAQ

Wann ist die Solothurner Fasnacht 2027?

Der Schmutzige Donnerstag 2027 fällt auf den 25. Februar. Die Fasnacht dauert bis Aschermittwoch, dem 3. März 2027.

Was ist die Chesslete?

Das Einläuten der Fasnacht: Um 5:00 Uhr morgens am Schmutzigen Donnerstag stürmen Hunderte mit Kuhglocken, Rätschen und Hörnern im weissen Nachthemd mit Zipfelmütze und rotem Halstuch durch die Altstadt. Startpunkt ist der Friedhofplatz. Danach gibt es gratis Mehlsuppe.

Warum heisst Solothurn «Honolulu»?

Ein Witzbold behauptete einst, Solothurn liege genau auf der anderen Seite der Erdkugel von Hawaii. Diese (geografisch falsche) These wird in der Fasnacht konsequent und mit grosser Freude aufrechterhalten.

Wann finden die Fasnachtsumzüge statt?

Am Fasnachtssonntag und am Fasnachtsdienstag, jeweils um 14:31 Uhr ab dem Amthausplatz. Route: Amthausplatz, Bieltor, Gurzelngasse, Hauptgasse, St.-Ursen-Kathedrale, Kreuzackerbrücke, Vorstadt, Wengibrücke, zurück zum Amthausplatz.

Quellen: fasnacht-solothurn.ch | solothurn-city.ch | myswitzerland.com | lebendige-traditionen.ch | solothurnerzeitung.ch

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