Rossmarktplatz - Soltohurn

Rossmarktplatz Solothurn: Pferdemarkt & Dornacherbrunnen

Der Rossmarktplatz ist das Herz der Solothurner Vorstadt und einer der Plätze, die man kennen muss, um die Stadt wirklich zu verstehen. Hier brannte einst ein Stück Schweizer Geschichte: Pferde- und Viehhandel, jüdisches Quartierleben, ein Gasthof der zur Arbeiterbeiz wurde. Heute lockt jeden Donnerstag der Bucheggberger Märit mit frischen Produkten vom Bauernhof, und der Dornacherbrunnen, einer der elf historischen Brunnen der Stadt, wacht still über den Platz, der seinen Namen vom Markt der Rösser trägt.

📍 Lage & Orientierung

Der Rossmarktplatz liegt mitten in der Vorstadt, dem Quartier westlich der Altstadt, das sich historisch als eigenständiges, lebendiges Stadtquartier jenseits der Stadtmauern entwickelte. Er grenzt direkt an den Dornacherplatz und liegt an der Achse zwischen dem Hauptbahnhof und der Altstadt. Die Wengibrücke zur Altstadt ist nur wenige Gehminuten entfernt.

Adresse: Rossmarktplatz, 4500 Solothurn (Vorstadt / Berntorstrasse)

Vom Hauptbahnhof sind es zu Fuss rund 5 Minuten. Das Parkhaus Berntor liegt unmittelbar daneben.

🐴 Geschichte: Pferde, Vieh und ein bedeutender Markt

Der Name sagt alles: Auf dem Rossmarktplatz wurden Rosse, also Pferde, gehandelt. Bis Mitte der 1880er-Jahre fanden hier sowohl der Pferde- wie der Viehmarkt der Äusseren Vorstadt statt, auf dem Gelände zwischen den Gasthäusern «Falken» und «Schwanen» sowie dem ehemaligen Zehnthaus. Der Solothurner Pferdemarkt gehörte zu den bedeutendsten der ganzen Schweiz.

Später wurde der Pferdemarkt auf den benachbarten Dornacherplatz verschoben, der Tränkebrunnen von 1906 dort erinnert noch heute daran. Der Rossmarktplatz selbst behielt aber seinen Namen und seinen Charakter als Zentrum des Vorstadtlebens.

✡️ Das jüdische Quartier: Geschichte, die wenige kennen

Wer die Geschichte des Rossmarktplatzes verstehen will, muss einen Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Solothurner Stadtgeschichte werfen: das jüdische Leben in der Vorstadt. Älteste überlieferte Schriftstücke über jüdisches Leben in Solothurn datieren aus dem Jahr 1277. Doch erst seit den 1860er Jahren war jüdische Ansiedlung wieder dauerhaft erlaubt.

In der Folge liessen sich jüdische Pferde- und Viehhändler, viele von ihnen aus dem Elsass, insbesondere aus Hegenheim, in der Vorstadt nieder. Sie bildeten rund um den Rossmarktplatz ein kleines jüdisches Quartier mit eigenem Bethaus. Der Grossviehhandel in der Kantonshauptstadt war bis zur Jahrhundertwende fast ausschliesslich in jüdischer Hand und der Rossmarktplatz war das Zentrum dieses Handels.

Später eröffneten jüdische Textilhändler auch in der Altstadt Läden, darunter «Adler» in der Gurzelngasse und «Levy-Picard» am Dornacherplatz. Die jüdischen Familien blieben über Generationen ihrer Gemeinschaft und Solothurn treu, auch während der Kriegsjahre 1939–1945, in denen sie zahlreiche Flüchtlinge beherbergten.

🏨 Der Falken: und sein zweites Leben als Volkshaus

Das markanteste Gebäude am Rossmarktplatz ist das ehemalige Gasthaus zum Falken, 1833 bis 1835 erbaut, direkt vor dem damals noch stehenden Inneren Berntor. Das Haus mit seinem charakteristischen Mansarden-Walmdach und den später angebauten Bogenarkaden trägt eine bewegte Geschichte.

Von 1860 bis 1873 war im Falken neben dem Hotelbetrieb auch eine eigene Brauerei beheimatet. 1919 übernahm die Arbeiterunion Solothurn die Liegenschaft und taufte den «Falken» in «Volkshaus» um. In den folgenden Jahrzehnten prägten Fasnachtsbälle, Saalsportanlässe und das Quartierleben das Haus.

⚔️ Der Dornacherbrunnen: Einer der elf historischen Brunnen

Am Rossmarktplatz steht einer der eindrücklichsten Brunnen der Stadt: der Dornacherbrunnen. Er ist der jüngste der elf historischen Figurenbrunnen Solothurns und wurde 1930 von der St. Margarithen-Bruderschaft der Stadt geschenkt, zur Vervollständigung der symbolträchtigen Elfer-Zahl der Brunnen.

Der Brunnen erinnert an die Schlacht bei Dornach vom 22. Juli 1499, in der die Eidgenossen unter dem Solothurner Schultheiss Niklaus Konrad die Truppen von Kaiser Maximilian besiegten. Die Bronzefigur zeigt den gepanzerten Bannerträger, der die nasse Fahne hochhält, Symbol des Gelöbnisses der Krieger vor dem Aufbruch: So rasch das Panier im Winde trocknen mag, so schnell wollten sie zurückkehren, oder nicht mehr zurückkommen.

Am oberen Rand des achteckigen Brunnenbeckens ist eingemeisselt: «Den Helden von Dornach. Die Bruderschaft St. Margarithae. 1499 1930.»

🥬 Heute: Der Bucheggberger Märit

Jeden Donnerstag von 14:00 bis 19:00 Uhr (mit Winterpause von Weihnachten bis Mitte März) verwandelt sich der Rossmarktplatz wieder in das, was er einst war: einen Marktplatz. Der Bucheggberger Märit bringt sechs Landwirtinnen und Landwirte aus dem Bucheggberg direkt in die Vorstadt, mit Gemüse, Obst, Süssmost, Käse, Backwaren, Kaninchenspezialitäten sowie Fleisch von Angus-Rindern und Ziegen.

Was 2010 auf Initiative der Vereinigung Pro Vorstadt klein begann, hat sich zur festen Institution entwickelt. «Der Rossmarktplatz hat mehr Charme», brachte es der damalige OK-Präsident auf den Punkt, ein Satz, dem viele Vorstädterinnen und Vorstädter zustimmen würden.

🎪 Events am Rossmarktplatz

  • Bucheggberger Märit: jeden Donnerstag 14:00–19:00 Uhr (März bis Weihnachten)
  • Solothurner Chäs-Tag: der jährliche Käsemarkt, der seinen Ursprung am Rossmarktplatz hat
  • Vorstadt-Chilbi: die traditionelle Bruderschaftsfeier der St. Margarithen-Bruderschaft im Juli, mit Böllerschüssen, Umzug und Festmahl rund um den Platz

🚌 Anreise

  • Zu Fuss vom Bahnhof: ca. 5 Minuten die Dornacherstrasse entlang
  • Bus: Haltestelle Rossmarktplatz oder Dornacherplatz
  • Parkhaus Berntor: direkt in der Nähe
  • Zur Altstadt: ca. 5 Minuten über die Wengibrücke

❓ Häufige Fragen

Warum heisst der Platz Rossmarktplatz?

Der Name geht auf den historischen Pferde- und Viehmarkt zurück, der hier bis Mitte der 1880er-Jahre stattfand. «Rossen» sind Pferde und der Solothurner Pferdemarkt gehörte zu den bedeutendsten der Schweiz.

Was ist der Dornacherbrunnen am Rossmarktplatz?

Der Dornacherbrunnen ist der jüngste der elf historischen Figurenbrunnen Solothurns, gestiftet 1930 von der St. Margarithen-Bruderschaft. Er erinnert an die Schlacht bei Dornach von 1499 und zeigt einen gepanzerten Bannerträger mit der nassen Fahne.

Wann ist der Bucheggberger Märit am Rossmarktplatz?

Der Bucheggberger Märit findet jeden Donnerstag von 14:00 bis 19:00 Uhr statt, von Mitte März bis kurz vor Weihnachten. Das Angebot umfasst frische Produkte direkt von sechs Bauernbetrieben aus dem Bucheggberg.

Was hat der Rossmarktplatz mit jüdischer Geschichte zu tun?

Rund um den Rossmarktplatz bildete sich im 19. Jahrhundert das jüdische Quartier der Solothurner Vorstadt. Der Grossviehhandel war bis zur Jahrhundertwende fast vollständig in jüdischer Hand. Die jüdischen Familien, viele aus dem Elsass stammend, prägten das Quartierleben über Generationen.

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