Postplatz - Soltohurn

Postplatz Solothurn: Buvette, Bastion & ein Platz im Wandel

Der Postplatz ist vielleicht der ehrlichste Platz Solothurns. Kein Barockjuwel, keine jahrhundertealte Idylle, sondern ein Platz, der die Stadt so zeigt, wie sie ist: im Wandel, im Widerspruch, auf der Suche nach sich selbst. Mittelalterliche Festungsmauern schlummern unter dem Pflaster. Oben steht seit 2026 ein umgebautes Retro-Postauto als Buvette. Und die Solothurner streiten seit Jahrzehnten darüber, was aus diesem Ort werden soll.

📍 Lage & Orientierung

Der Postplatz liegt am südwestlichen Rand der Altstadt, dort wo diese in die Vorstadt übergeht, zwischen Wengibrücke, Landhausquai und der Westringstrasse. Er ist unmittelbar an der Aare gelegen und bildet die Nahtstelle zwischen dem historischen Altstadtkern und dem Quartier der Vorstadt.

Der Platz ist einer der wichtigsten ÖV-Knotenpunkte der Stadt, zahlreiche Buslinien halten direkt hier. Wer vom Bahnhof kommt, erreicht den Postplatz zu Fuss in rund 8 Minuten. Die Wengibrücke direkt daneben verbindet Altstadt und Vorstadt.

Adresse: Postplatz, 4500 Solothurn (Landhausquai / Wengibrücke)

🏰 Geschichte: Bastion, Haffnersturm & Hauptpost

Wer heute über den Postplatz geht, ahnt nicht, was nur wenige Zentimeter unter dem Pflaster schlummert. Bei den Tiefbauarbeiten der letzten Jahre kamen bei jeder neuen Grabung Überreste der einstigen Solothurner Stadtbefestigung ans Licht: Mauerreste des mittelalterlichen Stadtgrabens, Fundamente des Haffnersturms und Teile der barocken St.-Georgs-Bastion von 1668,

Die St.-Georgs-Bastion bildete den westlichen Abschluss der Stadtbefestigung aareseitig. zusammen mit dem 1450 erstmals erwähnten Wassertor, das die Wengibrücke altstadtseitig sicherte. Dieses gewaltige Bollwerk beherrschte die Südwestecke der Stadt für rund 200 Jahre. 1859 wurden Bastion und Haffnersturm geschleift, das Wassertor war schon 20 Jahre zuvor gefallen, um Platz für die neue Stadtentwicklung Richtung Westbahnhof zu schaffen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert prägte die schmucke Hauptpost den Platz: ein Gebäude mit Türmliuhr und neubarocker Fassade, davor schattenspendende Bäume. Ein Bild, das Solothurner, die den alten Kalender «Solothurn in alten Ansichten» kennen, heute noch wehmütig werden lässt. Vom einstigen Postgebäude blieb der Name des Platzes und nichts weiter.

🚧 Neugestaltung & die Debatte um den Platz

Der Postplatz hat eine lange Geschichte als umstrittener Ort. Jahrelang galt er als kahl, unwirtlich und «weder Fisch noch Vogel», ein Durchgangsplatz, der niemanden zum Verweilen einlud.

Ab August 2022 begann die Stadt gemeinsam mit dem Büro w+s Landschaftsarchitekten AG die Umgestaltung: Ein «Baumdach» aus 16 Bäumen bildet seither das Zentrum, eine dreistufige Terrasse verbessert die Aussicht auf die Aare, flexible Möblierung mit Tischen und Stühlen lädt zum Verweilen ein. Grüner und einladender sollte der Postplatz werden, ein Begegnungsraum statt Durchgangszone.

Die Reaktionen blieben gemischt. Kaum waren die neuen Bäume gepflanzt, wurden sie als zu klein und zu wenig schattenspendend kritisiert. Die Grünen forderten weitere Begrünung. Und ein geplanter Aaresteg, der den Platz direkt mit dem Flussufer verbinden sollte, war zwischenzeitlich zu teuer geworden und beschäftigte sogar eine ausserordentliche Gemeindeversammlung. Die Geschichte des Postplatzes ist, wie bei so vielen Solothurner Plätzen, noch nicht zu Ende geschrieben.

🚌 Der Postplatz als ÖV-Drehscheibe

Was der Postplatz seit jeher zuverlässig leistet: Er ist das Busdrehkreuz der Stadt. Alle wichtigen Buslinien der Region halten hier, und der Platz ist selbst Bushaltestelle. Wer ohne Auto in Solothurn unterwegs ist, kommt am Postplatz kaum vorbei.

Die Haltestellen wurden 2017 behindertengerecht umgebaut, ein wichtiger Schritt für die barrierefreie Erschliessung der Altstadt. Die Wengibrücke direkt daneben verbindet Fussgänger und Velofahrer schnell mit der Vorstadt.

🚌 Die DüDaDo Buvette: Ein Postauto als Bar

Seit 2026 hat der Postplatz ein neues Gesicht und ein neues Wahrzeichen: die DüDaDo Buvette. Betreiber Stephan Marti, bekannt vom Barock Café & Bar am Landhausquai, baute ein 33-jähriges Retro-Postauto zur Sommerbar um. Der Name leitet sich vom charakteristischen Dreiklanghorn der Schweizer Postautos ab.

Die Buvette ist eine Saisongastronomie und bei schönem Wetter geöffnet, im Sommer bis ca. 23:00 Uhr, im Frühling und Herbst bis ca. 22:00 Uhr. Das Angebot: Bier, Wein, Sommerdrinks und einfache Cocktails. Aktuelle Öffnungszeiten am besten auf den Social-Media-Kanälen des Barock Café & Bar prüfen.

Zum ausführlichen Beitrag über die DüDaDo Buvette

DüDaDo Postouto Buvette am Postplatz in Solothurn
DüDaDo Postouto Buvette am Postplatz in Solothurn

📚 Der Bücherschrank

Etwas unscheinbar, aber von Solothurnern geliebt: Am Postplatz steht der öffentliche Bücherschrank, eines jener kleinen Stadtmöbel, die aus einem beliebigen Durchgangsort doch noch einen Aufenthaltsort machen. Buch mitbringen, Buch mitnehmen, so einfach ist das Prinzip, so gross der Effekt auf das Quartierleben.

🚌 Anreise

  • Bus: Haltestelle Postplatz, zahlreiche Linien aus dem ganzen Stadtgebiet
  • Zu Fuss vom Bahnhof: ca. 8 Minuten über die Hauptgasse und Wengibrücke
  • Velo: Abstellplätze am Platz vorhanden
  • Auto: Kein Parkieren direkt am Platz, nächste Parkhäuser Baseltor oder Berntor

❓ Häufige Fragen

Was ist am Postplatz Solothurn zu sehen?

Am Postplatz befindet sich seit 2026 die DüDaDo Buvette im Retro-Postauto, der öffentliche Bücherschrank sowie eine Terrasse mit Blick auf die Aare. Der Platz ist ausserdem der zentrale Busbahnhof der Stadt und Ausgangsort für Spaziergänge entlang des Landhausquais.

Was wurde bei den Bauarbeiten am Postplatz gefunden?

Bei Tiefbauarbeiten kamen Mauerreste der mittelalterlichen Stadtbefestigung ans Licht: Fundamente des Haffnersturms, Teile der barocken St.-Georgs-Bastion von 1668 und Mauern des alten Stadtgrabens. Der Postplatz steht buchstäblich auf Jahrhunderten Solothurner Stadtgeschichte.

Wann wurde der Postplatz umgestaltet?

Die aktuelle Umgestaltung begann im August 2022. Ein Baumdach aus 16 Bäumen, eine dreistufige Terrasse mit Blick auf die Aare und flexible Möblierung sollen den Platz vom Durchgangsort zum Begegnungsraum machen.

Was ist die DüDaDo Buvette am Postplatz?

Die DüDaDo ist eine Sommer-Buvette in einem umgebauten 33-jährigen Retro-Postauto, betrieben von Stephan Marti (Barock Café & Bar). Der Name leitet sich vom Dreiklanghorn der Schweizer Postautos ab. Geöffnet im Sommer bis ca. 23:00 Uhr.

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