Wer den Solothurner Sommer versteht, versteht den Landhausquai. Die schmale Gasse zwischen der Altstadt und der Aare ist die Ausgehmeile der Stadt, mit über zwanzig Lokalen, Terrassen direkt am Wasser und einer Stimmung, die Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz anzieht. Der Schriftsteller Franco Supino brachte es auf den Punkt: «Solothurn liegt am Meer.» Am Landhausquai glaubt man es.
Doch hinter der heutigen Leichtigkeit steckt eine Geschichte, die mindestens so reich ist wie das Angebot an Apéros.
📍 Lage & Orientierung
Inhaltsverzeichnis
Der Landhausquai zieht sich entlang des rechten Aareufers durch die Altstadt, zwischen der Kreuzackerbrücke im Osten und der Wengibrücke im Westen. Er liegt auf der Altstadtseite, direkt unterhalb der Barockfassaden, und ist von der Hauptgasse aus in wenigen Schritten erreichbar. Auf der gegenüberliegenden Seite der Aare: das Alte Spital, die Vorstadt, der Kreuzackerpark.
Adresse: Landhausquai, 4500 Solothurn (entlang der Aare, Altstadt)
⛵ Geschichte: Das Weinland, Herz der Aareschifffahrt
Die Geschichte des Landhausquais beginnt am Wasser. Schon auf den ältesten Stadtansichten ist an der Aare ein Magazingebäude mit einem grossen Tor gegen das Wasser zu erkennen, der Vorläufer des heutigen Landhauses. Die Aare war bis zum Bau der Eisenbahn 1857 der Lebensnerv Solothurns: Hier kamen die Waren an, hier wurden sie umgeschlagen, hier pulsierte der Handel.
Der frühere Name des Landhauses sagt alles: «Weinland». Es war der Landeplatz für die Weintransporte, die auf Schiffen aus den Rebbergen am Bielersee und Neuenburgersee ankamen, beschriftet mit «Chargé pour Soleure», für Solothurn geladen. Das Bürgerspital und vermögende Bürger besassen dort ihre Rebgüter. Der Quai daneben war das Quartier der Schiffer, die das Salz, den Wein und die Güter des Drei-Seen-Landes nach Solothurn brachten.
Das heutige Landhaus wurde 1722/23 nach Plänen des Stadtleutnants Franz Brunner errichtet, ein stattliches Barockgebäude, das während Jahrhunderten den Mittelpunkt der Aareschifffahrt, des Warenumschlages und des Handels der Stadt bildete. Es war das kaufmännisch-kulturelle Zentrum Solothurns.
Mit dem Bau der Eisenbahn 1857 verlor die Aareschifffahrt ihre wirtschaftliche Bedeutung. Das Landhaus wandelte sich: Es diente als Lagerstätte für Salz und andere Güter, zeitweise als Feuerwehrlokal, bis es am 5. April 1955 durch einen Grossbrand zerstört wurde. Das Gebäude wurde danach in seiner äusseren Form vollständig originalgetreu wiederaufgebaut.
🍺 Das Chutz: Wo die Filmtage anfingen
Den ersten kulturellen Aufbruch am Landhausquai brachte ein Kunstmaler: Im Juli 1963 eröffnete Ferdinand Kaus das Restaurant Chutz. Der Bau mit Sichtbeton und einer Treppe mit Betongeländer löste in den 1960er Jahren Staunen aus und wurde rasch zur Institution. Regelmässige Ausstellungen, Jazz-Konzerte und schliesslich die Anfänge der Solothurner Filmtage machten das Chutz zum In-Lokal der Stadt. Heute wird es von Marta Kaus im Geist ihres 1996 verstorbenen Gatten weitergeführt — täglich warme Küche, Sichtbeton, Terrasse an der Sonnenseite.
😬 Das Bermuda-Dreieck: Der zweifelhafte Ruf der 80er Jahre
In den 1980er und frühen 1990er Jahren genoss der Landhausquai einen ganz anderen Ruf. «Früher galten der Landhausquai und seine Umgebung als Bermuda-Dreieck. Wer hier eintauchte, tauchte manchmal nicht wieder auf», erinnert sich Annemarie Brun von der Genossenschaft Kreuz. Das ehemalige Landhüsli und das Chutz waren damals die einzigen Beizen an der Aare und der Quai war kein Ort, an den man Gäste führte.
Auch der Spitzname, der noch heute manchmal kursiert, stammt aus dieser Zeit: «Rue de Blamage».
🌟 Der Wandel: Von der Cafébar Landhaus zur Riviera
1998 war das Wendejahr. Die Genossenschaft Kreuz eröffnete die Cafébar Landhaus und damit begann der Wandel. «Nach der Eröffnung kam rasch einmal frischer Wind auf», erinnern sich die Gründer. Fachgeschäfte wie der Plattenladen Tribe oder der «Spielhimmel» machten neuen Bars Platz. Aus dem dominanten Bregger-Lagerhaus entstand das Restaurant Salzhaus. Eine Eigendynamik entstand, die den Quai Stück für Stück verwandelte.
Heute reihen sich am Landhausquai und dem angrenzenden Aareufer über zwanzig Lokale und Restaurants aneinander. Die Einheimischen nennen die Meile liebevoll «Solothurner Riviera» und meinen es nicht ganz ironisch.
🍹 Was heute am Landhausquai ist
Eine Auswahl der bekanntesten Adressen:
- Restaurant Chutz: (Landhausquai 3) das Original seit 1963, Sichtbeton, Terrasse, täglich warme Küche von Marta Kaus. Einer der ältesten Kulturbetriebe der Stadt.
- Cafébar Landhaus / Landhüsli: das Lokal der Genossenschaft Kreuz, das 1998 den Wandel einleitete. Magischer Ort für alle, die morgens mit der Sonne aufwachen.
- Barock Café & Bar: (Landhausquai 5) Brunch, Mittag, Apéro, Cocktails. Über 60 Sitzplätze innen, grosse Terrasse direkt an der Aare. Bekannt für freundlichen Service und Hundefreundlichkeit. Auch Betreiber der DüDaDo Buvette am Postplatz.
- Hafebar: die Sommerbar der Stadt, ins Leben gerufen vom Konsortium rund um das Vini al Grappolo. Geöffnet von Frühling bis Ende September, dann Winterschlaf. Gilt als Vorbotin der warmen Jahreszeit.
- Solheure: im ehemaligen Schlachthaus, heute ein Betrieb der Genossenschaft Baseltor. Restaurant, Bar, Kulturraum.
- Salzhaus: im ehemaligen Bregger-Lagerhaus, mit direktem Blick auf die Aare.
- Dock: im historischen Gebäude von 1890, die jüngste Bar an der Riviera. Direkt am alten Bootsanleger, dem letzten vor der Nordsee.
🎬 Der Landhausquai und die Filmtage
Einmal im Jahr verwandelt sich der Landhausquai in das Herzstück der Solothurner Filmtage, dem bedeutendsten Anlass für den Schweizer Film mit über 65’000 Eintritten. Dann ist der Quai von morgens früh bis tief in die Nacht besetzt, Filmschaffende und Publikum aus der ganzen Schweiz drängen auf die Terrassen, und das Chutz, die Cafébar Landhaus, das Salzhaus und alle anderen schreiben ihre belebtesten Seiten des Jahres.
«Es scheint keine Schweizer Stadt zu geben, in der es mehr Gaststätten gibt als in Solothurn», das hört man an den Filmtagen immer wieder. Der Landhausquai ist der Beweis.
🏛️ Das Landhaus heute: Umbau bis Ende 2026
Das historische Landhaus (Landhausquai 4), das Barockgebäude von 1722, nach dem Grossbrand von 1955 in ursprünglicher Form wiederaufgebaut, ist derzeit bis Ende 2026 wegen Umbauarbeiten geschlossen. Das stattliche Gebäude mit seinem Grosser Landhaussaal, der Säulenhalle, dem Gemeinderatssaal und den Foyers mit Aarablick dient sonst als wichtigstes Veranstaltungsgebäude der Stadt.
Das Öufi-Boot kann direkt vor dem Landhaus anlegen. Landhaus und Palais Besenval (Barockpalais von 1703) sind durch den schönsten Barockgarten der Stadt verbunden, ein verborgenes Bijou, das man beim Schlendern am Quai leicht übersieht.
🚌 Anreise
- Zu Fuss aus der Altstadt: Vom Marktplatz oder Friedhofplatz in 2–3 Minuten über die Gassen zur Aare
- Zu Fuss vom Bahnhof: ca. 10 Minuten über die Kreuzackerbrücke
- Öufi-Boot: Anlegestelle direkt vor dem Landhaus
- Velo: Entlang des Aareufers von beiden Seiten gut erreichbar
❓ Häufige Fragen
Was ist der Landhausquai in Solothurn?
Der Landhausquai ist die Ausgehmeile Solothurns eine Gasse entlang der Aare mit über zwanzig Restaurants, Bars und Terrassen. Er gilt unter Einheimischen als «Solothurner Riviera» und war früher das Quartier der Schiffer und Händler.
Was ist das Landhaus am Landhausquai?
Das Landhaus (Landhausquai 4) ist ein Barockgebäude von 1722, das jahrhundertelang das wirtschaftliche Zentrum Solothurns war als Weinlager, Warenumschlagsplatz und Mittelpunkt der Aareschifffahrt. Nach einem Grossbrand 1955 wurde es originalgetreu wiederaufgebaut. Heute ist es ein Veranstaltungszentrum (bis Ende 2026 wegen Umbau geschlossen).
Wann war der erste Betrieb am Landhausquai?
Das Restaurant Chutz wurde 1963 vom Kunstmaler Ferdinand Kaus eröffnet und gilt als Gründungslokal des Landhausquais als Ausgehmeile. Es war ausserdem Schauplatz der ersten Solothurner Filmtage.
Wann findet die Hafebar am Landhausquai statt?
Die Hafebar ist eine Saisonbar und geöffnet von Frühling bis Ende September. Sie gilt als Vorbotin des Solothurner Sommers und ist an schönen Abenden ausgebucht.
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