Klosterplatz - Soltohurn

Klosterplatz Solothurn: Barock, Natur & der ewige Parkplatz-Streit

Der Klosterplatz ist einer der schönsten Plätze Solothurns und gleichzeitig der umstrittenste. Auf der einen Seite: die Jesuitenkirche, eines der bedeutendsten Barockbauwerke der Schweiz. Das Naturmuseum. Das legendäre Steinmuseum. Das Palais Besenval mit Restaurant und Kleinem-Prinz-Museum. Und die Absinthe-Bar «Grüne Fee». Auf der anderen Seite: Parkplätze. Bis heute ist der Klosterplatz zu grossen Teilen ein Autoparkplatz, was die Stadt seit Jahren beschäftigt und die Solothurner Stadtpolitik regelmässig in Wallung bringt.

📍 Lage & Orientierung

Der Klosterplatz liegt im Westen der Solothurner Altstadt, zwischen der Hauptgasse, der Kronengasse und dem Landhausquai an der Aare. Er grenzt direkt an die Jesuitenkirche und das Naturmuseum und ist wenige Schritte vom Parkhaus Baseltor entfernt. Vom Kronenplatz aus ist er in zwei Minuten zu Fuss erreichbar.

Adresse: Klosterplatz, 4500 Solothurn (Kronengasse / Landhausquai)

🏛️ Geschichte: Vom Kloster zum Stadtplatz

Der Name «Klosterplatz» erinnert an die Jesuiten, die 1646 durch den aristokratischen Grossen Rat nach Solothurn berufen wurden, vor allem aus gegenreformatorischen Motiven. Ihr Auftrag: Errichtung eines städtischen Gymnasiums (Kollegiums) und einer Kirche. Beides geschah mit massgeblicher finanzieller Unterstützung des französischen Königshauses, das damals durch seinen Ambassadeur in Solothurn präsent war.

Das Kollegium, das heutige Stadttheater gehörte dazu, und die Kirche entstanden in den folgenden Jahrzehnten rund um den Platz. 1789 musste Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden aufheben; die Kirche ging in den Besitz der Gemeinde über. Als 1798 die französischen Besatzungstruppen einzogen, setzten sich die Solothurner Bürger erfolgreich dafür ein, dass die Kirche nicht an den Staat fiel. Das Kollegium wurde als Volksschule weitergeführt, das ehemalige Schulhaus wurde schliesslich ab 1978 zum heutigen Naturmuseum umgebaut.

⛪ Das Wahrzeichen: Die Jesuitenkirche

Die Jesuitenkirche, offiziell geweiht der Mariä Himmelfahrt, wurde zwischen 1680 und 1689 nach Plänen des Jesuiten Heinrich Mayer erbaut und gilt als eines der schönsten Barockbauwerke der Schweiz. Sie steht als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Denkmalschutz.

Die zweigeschossige Fassade aus Solothurner Kalkstein wird von einem Dreiecksgiebel bekrönt. Toskanische Pilaster im Untergeschoss, ionische im Obergeschoss und in den Figurennischen die Stuckfiguren von Ignatius von Loyola, Francisco de Xavier, Francisco de Borja und Aloisius von Gonzaga. Im Inneren begeistern herrliche Stukkaturen und der Hochaltar von 1704, dessen monumentaler Säulenrahmen ein Marienbild umschliesst.

Besonders: Die Orgel aus den Jahren 1791–1794, gebaut von Franz Joseph Otter aus Aedermannsdorf, ist das einzig erhaltene Werk dieses Orgelbauers, mit 22 Registern ein besonderes Klangerlebnis. Ein Orgelkonzert in der Jesuitenkirche ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

Im Lapidarium hinter der Jesuitenkirche befindet sich seit 1997 das Steinmuseum Solothurn, mit römischen Inschriftsteinen, die 1762 beim Abbruch des alten St. Ursendoms gefunden wurden.

🦕 Das Naturmuseum

Direkt am Klosterplatz, im ehemaligen Schulhaus, befindet sich das Naturmuseum Solothurn, eines der beliebtesten Ausflugsziele für Familien. Es stellt Tiere, Pflanzen und Versteinerungen aus der Umgebung Solothurns vor, und die erneuerte Dauerausstellung (2012–2018) macht den Besuch auch für Kinder zu einem Erlebnis.

  • Adresse: Klosterplatz 2, 4500 Solothurn
  • Telefon: +41 32 622 70 21
  • Barrierefreiheit: rollstuhlgängig, Lift vorhanden
  • Anreise: Vom Bahnhof zu Fuss in ca. 10 Minuten
Klosterplatz - Soltohurn
Klosterplatz – Soltohurn

🏰 Das Palais Besenval: Barock an der Aare

Am Rand des Klosterplatzes, direkt an der Aare, steht das Palais Besenval, das repräsentativste Stadthaus des Solothurner Patriziats. Die Brüder Johann Viktor II. und Peter Joseph Besenval liessen es zwischen 1703 und 1706 nach französischem Vorbild, als Maison entre cour et jardin, ganz aus Solothurner Kalkstein errichten. Die Familie hatte im Salzhandel und im Solddienst für Frankreich zu Reichtum gefunden. Das Dach aus französischem Schiefer und der Barockgarten mit Blick auf die Aare machen das Gebäude zu einem der eindrücklichsten der ganzen Stadt.

Seit November 2025 ist das Palais neu belebt: Das Restaurant «Le Besenval» und die Brasserie-Bar haben eröffnet, und im 1. und 2. Obergeschoss ist auf 500 m² das Museum «Der kleine Prinz und seine Welt» eingezogen, die weltweit bedeutendste Sammlung zu Antoine de Saint-Exupérys Klassiker, mit über 10’000 Büchern und aussergewöhnlichen Dokumenten. Auch das Trauzimmer des Zivilstandesamtes Solothurn befindet sich neu hier.

🧚 Die Grüne Fee: Schweizer Absinthe-Pilgerstätte

Am Kronenstutz, in unmittelbarer Nähe des Klosterplatzes, versteckt sich eine der aussergewöhnlichsten Bars der Schweiz: «Die Grüne Fee», die erste Absinthe-Bar der Schweiz überhaupt. Im gemütlichen Jugendstil eingerichtet, bietet sie knapp 40 Sorten authentischen Absinthes aus dem Jura und dem Val-de-Travers an. Das Personal erklärt die Mythen und Geschichten des lange verbotenen Elixiers und hilft bei der Wahl des richtigen Getränks.

  • Adresse: Kronengasse 11, 4500 Solothurn
  • Öffnungszeiten: Do / Fr / Sa ab 18:00 Uhr

🚗 Der ewige Streit: Parkplatz oder Stadtplatz?

Kaum ein anderes Thema beschäftigt die Solothurner Stadtpolitik so beständig wie die Zukunft des Klosterplatzes. Was Stadtpolitikerinnen aller Parteien einig sind: Den schönsten Altstadtplatz als Parkplatz zu nutzen, ist nicht zeitgemäss. Der Gemeinderat beschloss 2022 per Motion «Klosterplatz 2.0», den Platz in einen Stadtplatz umzuwandeln.

Im Sommer 2024 fand ein erster Pilotversuch statt: Vom 16. August bis 13. September 2024 wichen die Parkplätze einer temporären Begrünung, mobilem Mobiliar und Pop-up-Gastronomie. 105 Personen nahmen an der Onlinebefragung teil. Im Sommer 2025 folgte die zweite Runde: Vom 16. Mai bis 15. Juli 2025 war der Klosterplatz erneut autofrei. Die Resonanz war positiv, wie sich die dauerhafte Umgestaltung entwickelt, bleibt eines der spannendsten Stadtentwicklungsthemen in Solothurn.

🚌 Anreise

  • Zu Fuss vom Bahnhof: ca. 10 Minuten über Kreuzackerbrücke und Hauptgasse
  • Bus: Haltestelle Kronenplatz, dann 2 Minuten zu Fuss
  • Parkhaus: Parkhaus Baseltor (Pisoniplatz), nächstes Parkhaus zur Altstadt
  • Barrierefreiheit: Klosterplatz und Naturmuseum rollstuhlgängig

❓ Häufige Fragen

Was ist am Klosterplatz in Solothurn zu sehen?

Am Klosterplatz befinden sich die Jesuitenkirche (1689, Kulturgut von nationaler Bedeutung), das Naturmuseum, das Steinmuseum im Lapidarium der Jesuitenkirche, das Palais Besenval mit Restaurant «Le Besenval» und dem Museum «Der kleine Prinz», sowie in der Nähe die Absinthe-Bar «Die Grüne Fee».

Wann wurde die Jesuitenkirche Solothurn gebaut?

Die Jesuitenkirche wurde zwischen 1680 und 1689 erbaut und 1689 geweiht. Sie gilt als eines der schönsten Barockbauwerke der Schweiz und steht als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Denkmalschutz.

Was ist das Naturmuseum am Klosterplatz?

Das Naturmuseum Solothurn (Klosterplatz 2) ist ein familienfreundliches Museum im ehemaligen Schulhaus der Jesuiten. Es zeigt Tiere, Pflanzen und Versteinerungen aus der Region Solothurn. Der Eintritt ist kostenlos.

Was ist das Palais Besenval?

Das Palais Besenval (Kronengasse 1) ist ein Barockpalais aus den Jahren 1703 bis 1706, das repräsentativste Stadthaus des Solothurner Patriziats. Seit November 2025 beherbergt es das Restaurant «Le Besenval», eine Brasserie-Bar und das Museum «Der kleine Prinz und seine Welt».

Wird der Klosterplatz als Parkplatz abgeschafft?

Der Gemeinderat beschloss 2022, den Klosterplatz in einen Stadtplatz umzuwandeln. Nach Pilotprojekten im Sommer 2024 und 2025 (temporäre Autofreiheit, Begrünung und Möblierung) läuft der Umgestaltungsprozess, einer der spannendsten in der Solothurner Stadtentwicklung.

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