Solothurn Brunnen - Klosterplatz-Brunnen

Klosterplatz-Brunnen Solothurn: Ein Puzzle aus drei Jahrhunderten

Vor der Jesuitenkirche, dem prächtigsten Barockbauwerk Solothurns, steht ein Brunnen, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt und auf den zweiten Blick eine der komplexesten Entstehungsgeschichten aller 11 Brunnen offenbart. Der Klosterplatz-Brunnen ist kein Brunnen aus einem Guss: Sein Trog stammt von 1589, sein Stock von 1738, seine heutige Vase von 1828 und der Trog stand ursprünglich beim Gerechtigkeitsbrunnen an der Hauptgasse. Was heute als Einheit erscheint, ist in Wirklichkeit ein Puzzle aus drei Jahrhunderten.

📍 Lage: wo genau steht er?

Der Klosterplatz-Brunnen steht auf dem Klosterplatz, dem Platz vor der Jesuitenkirche in der Solothurner Altstadt, zwischen Hauptgasse, Kronengasse und dem Landhausquai an der Aare. Er liegt an der tiefsten Stelle der linksufrigen Altstadt, einem Ort, an dem schon in der Antike Brunnen standen, weil das Grundwasser der nahen Aare hier leicht zugänglich war.

Adresse: Klosterplatz, 4500 Solothurn, vor der Jesuitenkirche, Altstadt

Vom Hauptbahnhof zu Fuss in rund 10 Minuten. Vom Kronenplatz sind es nur 2 Minuten. Der Klosterplatz selbst ist einer der schönsten Plätze der Altstadt, mit der Jesuitenkirche als Kulisse und heute leider noch immer als Parkplatz genutzt.

👁️ Das Erste, was man sieht, eine Beschreibung

Der Klosterplatz-Brunnen ist der einzige der 11 historischen Brunnen ohne eine Figurensäule, er ist ein Vasenbrunnen im Rokoko-Stil. Was man beim Hinschauen entdeckt:

  • Der Trog: ein achteckiges Bassin aus Steinplatten, gefügt wie beim Mauritius-Brunnen, zusammengehalten von Eisenankern. Was kaum jemand weiss: Dieser Trog stammt aus dem Jahr 1589 und stand ursprünglich als Becken des Gerechtigkeitsbrunnens an der Hauptgasse. 1744 wurde er an den Klosterplatz-Brunnen verlegt, nachdem der Gerechtigkeitsbrunnen 1789 ein neues Monolithbecken erhielt.
  • Der Stock: schlank, kanneliert, im Rokoko-Stil. Er wurde 1828 neu angefertigt, als die Brunnenanlage erneuert wurde.
  • Die Vase zuoberst: eine elegant geschwungene Rokoko-Vase, kein kämpfender Held, kein Heiliger, keine Justitia. Die Vase stammt vom Brunnen von 1738 und wurde bei der Erneuerung 1828 wieder aufgesetzt. Ein Ornament statt einer Figur, bewusste Zurückhaltung vor der Pracht der Jesuitenkirche.

🏛️ Geschichte: ein Platz, der 1700 entstand, und drei Brunnen

Die Geschichte des Klosterplatz-Brunnens beginnt mit dem Platz selbst. Der Klosterplatz entstand erst 1700, durch den Abbruch von vier Häusern, die bis dahin den Raum vor der Jesuitenkirche verstellten. Die Kirche war zwischen 1680 und 1689 gebaut worden, aber ihr unmittelbares Umfeld blieb jahrelang beengt.

Kaum war der Platz frei, wünschten sich die Anwohner einen Brunnen. Bereits 1707 baten einige Anwohner ihre gnädigen Herren um die Aufstellung eines Brunnens. Es dauerte noch 31 Jahre, bis der Wunsch erfüllt wurde: 1738 erhielt der Klosterplatz endlich seinen ersten Steinbrunnen, mit Stock und Vase.

Schon früher hatte es auf dem Klosterplatz Brunnen gegeben, der Platz liegt an der tiefsten Stelle der linksufrigen Altstadt, wo das Grundwasser der nahen Aare leicht zugänglich war. Es gibt Hinweise darauf, dass es sich dabei um einen Sodbrunnen handelte, der vom Grundwasser der Aare gespeist wurde.

Die heutige Brunnenanlage entstand bei der Erneuerung von 1828: Ein neuer Stock wurde angefertigt, und die Vase vom Brunnen von 1738 wurde wieder daraufgesetzt. Das Becken aber kam von anderswo.

🔄 Der wandernde Trog: vom Gerechtigkeitsbrunnen auf den Klosterplatz

Das Herzstück des Klosterplatz-Brunnens ist sein Trog und der hat eine Reise hinter sich, die die Geschichte der Solothurner Brunnen in einem einzigen Objekt verdichtet.

Der achteckige Plattentrog stammt aus dem Jahr 1589 und wurde ursprünglich für den Gerechtigkeitsbrunnen an der Hauptgasse / Pfisterngasse angefertigt, jenen berühmten Brunnen mit der Justitia-Figur von Laurent Perroud. Er diente dort als Becken und ersetzte einen noch älteren Trog.

Als 1789 der Gerechtigkeitsbrunnen ein neues, modernes Monolithbecken nach Plänen von Paolo Antonio Pisoni erhielt, wurde der alte achteckige Trog von 1589 frei. Statt ihn wegzuwerfen, versetzte man ihn 1828 auf den Klosterplatz, wo er bis heute steht. Aus dem Klosterplatz-Brunnen wurde so ein Sammelsurium aus Teilen dreier Jahrhunderte: Trog 1589 (Gerechtigkeitsbrunnen), Vase 1738 (erster Klosterplatzbrunnen), Stock 1828 (Neubau).

Die Solothurner Stadtbrunnen sind damit buchstäblich Quasi-Mobilien, Grossskulpturen, die wandern, geteilt werden und in neuen Kontexten weiterleben. Der Klosterplatz-Brunnen ist das schönste Beispiel dieser Tradition.

⛪ Die Kulisse: Die Jesuitenkirche

Was dem Klosterplatz-Brunnen seinen besonderen Charakter gibt, ist nicht er selbst — sondern was hinter ihm steht: die Jesuitenkirche, gebaut zwischen 1680 und 1689, eines der schönsten Barockbauwerke der Schweiz, ein Kulturgut von nationaler Bedeutung.

Die zweigeschossige Fassade aus Solothurner Kalkstein, das Kompositkapitell mit toskanischen und ionischen Pilastern, der Dreiecksgiebel, der Brunnen steht davor wie ein bescheidenes Vorwort vor einem grossen Roman. Wer den Brunnen fotografiert, fotografiert unweigerlich auch die Jesuitenkirche. Und wer die Kirche betrachtet, sieht den Brunnen als Teil des Platzes, der 1700 für sie geschaffen wurde.

Im Lapidarium hinter der Jesuitenkirche befindet sich ausserdem das Steinmuseum Solothurn, mit römischen Inschriftsteinen, die 1762 beim Abbruch des alten St.-Ursendoms gefunden wurden. Wer den Klosterplatz-Brunnen besucht, sollte auch das Lapidarium nicht verpassen.

💧 Wozu diente der Brunnen früher?

Der Klosterplatz-Brunnen war Trinkwasserversorgung für die Bewohner des Quartiers rund um die Jesuitenkirche. Da der Klosterplatz an der tiefsten Stelle der linksufrigen Altstadt liegt und das Grundwasser der Aare hier nah ist, war Wasser hier vergleichsweise leicht verfügbar. Früher, als auf dem Klosterplatz noch ein Markt stattfand, diente er auch den Händlern und Tieren des Marktes.

Ohne Figurensäule und ohne mythologisches oder religiöses Programm war der Klosterplatz-Brunnen immer in erster Linie ein Gebrauchsbrunnen, funktional, dezent, im Dienst des Quartiers.

🔧 Restaurierungen zuletzt 2018/19

Der Klosterplatz-Brunnen wurde in den letzten Jahren im Rahmen der kantonalen Denkmalpflege umfassend restauriert, zuletzt 2018/19, gemeinsam mit Simson-, Georgs-, Mauritius-, Gerechtigkeits- und Fischbrunnen. Flechtenbewuchs, Vogelexkremente und klimatische Einflüsse setzen auch dem figurenlosen Brunnen zu. Die Steinplatten des achteckigen Troges werden dabei besonders sorgfältig behandelt, als ältestes erhaltenes Bauteil des Brunnens (1589) hat der Trog einen hohen Denkmalwert.

🔢 Der Brunnen & die Zahl Elf

Der Klosterplatz-Brunnen ist der einzige der 11 historischen Brunnen ohne Figur und damit derjenige, der am deutlichsten zeigt, dass die Elf nicht nur eine Zahl der Pracht ist, sondern auch der Vollständigkeit. Nicht jeder Brunnen muss eine dramatische Geschichte erzählen. Manchmal genügt ein einfacher Vasenbrunnen, der still seinen Dienst tut — und dabei ein Trog trägt, der 230 Jahre lang beim Gerechtigkeitsbrunnen stand, bevor er hierher wanderte.

📸 Foto-Tipps

  • Bestes Motiv: Brunnen mit der Jesuitenkirchen-Fassade im Hintergrund, die Kombination aus schlichtem Vasenbrunnen und prachtvoller Barockfassade ist das eigentliche Bild des Klosterplatzes.
  • Beste Zeit: Morgens — die Ostfassade der Jesuitenkirche wird dann von der aufgehenden Sonne beleuchtet, während der Brunnen im sanften Schatten steht.
  • Detail: Der achteckige Steintrog von 1589 mit seinen Eisenankern, wer weiss, dass dieser Trog ursprünglich beim Gerechtigkeitsbrunnen stand, betrachtet ihn mit anderen Augen.
  • Weitwinkel: Der Klosterplatz mit Brunnen, Jesuitenkirche und dem Palais Besenval, ein vollständiges Bild des Platzes, der 1700 aus vier abgerissenen Häusern entstand.

🚌 Anreise & Kombination

  • Zu Fuss vom Bahnhof: ca. 10 Minuten über die Hauptgasse und Kronengasse
  • Bus: Haltestelle Kronenplatz, dann 2 Minuten zu Fuss
  • Kombination: Direkt daneben die Jesuitenkirche (täglich geöffnet) und das Naturmuseum (Klosterplatz 2, kostenloser Eintritt). Im Lapidarium hinter der Kirche das Steinmuseum. In 5 Minuten zum Gerechtigkeitsbrunnen — dem Brunnen, von dem der Trog hier stammt.

❓ Häufige Fragen

Warum hat der Klosterplatz-Brunnen keine Figur?

Der Klosterplatz-Brunnen ist ein Vasenbrunnen — er wurde als Gebrauchsbrunnen konzipiert, ohne religiöses oder mythologisches Figurenprogramm. Der Klosterplatz selbst entstand erst 1700, und der erste Brunnen von 1738 war schlicht und funktional gehalten. Als Vasenbrunnen ist er der einzige seiner Art unter den 11 historischen Brunnen.

Woher stammt der achteckige Trog des Klosterplatz-Brunnens?

Der Trog stammt aus dem Jahr 1589 und stand ursprünglich als Becken des Gerechtigkeitsbrunnens an der Hauptgasse. Als der Gerechtigkeitsbrunnen 1789 ein neues Monolithbecken erhielt, wurde der alte achteckige Trog 1828 auf den Klosterplatz verlegt — wo er bis heute steht.

Wann entstand der Klosterplatz, und warum?

Der Klosterplatz entstand 1700 durch den Abbruch von vier Häusern, um der 1689 eingeweihten Jesuitenkirche einen würdigen Vorplatz zu geben. Die Anwohner baten schon 1707 um einen Brunnen — der erste Steinbrunnen folgte jedoch erst 1738.

Was ist das Besondere an der Lage des Klosterplatz-Brunnens?

Der Klosterplatz liegt an der tiefsten Stelle der linksufrigen Altstadt — das Grundwasser der nahen Aare war hier besonders zugänglich. Schon in der Antike gab es an diesem Ort Brunnen. Kunsthistorisch macht ihn die direkte Nachbarschaft zur Jesuitenkirche — einem der schönsten Barockbauwerke der Schweiz — besonders.

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