Friedhofsplatz - SoltohurnY

Friedhofplatz Solothurn: Der älteste Platz der Stadt

Wer durch die Altstadt von Solothurn spaziert, kommt unweigerlich an ihm vorbei: dem Friedhofplatz. Unter dem Schatten mächtiger Platanen, umgeben von jahrhundertealten Häusern, liegt der älteste Platz der Stadt — und einer der geschichtsträchtigsten überhaupt. Hier wurde ein König gekrönt, hier beginnt jedes Jahr die Fasnacht, und hier isst man angeblich besser als irgendwo sonst in der Schweiz.

📍 Lage & Orientierung

Der Friedhofplatz liegt mitten in der Solothurner Altstadt, wenige Schritte von der Hauptgasse entfernt. Er ist Teil des historischen Altstadtkerns und lässt sich bequem zu Fuss vom Bahnhof in etwa 10 Minuten erreichen. Wer den Marktplatz oder die St. Ursenkathedrale kennt, findet den Friedhofplatz direkt dahinter — ruhig, autofrei und von einer fast mediterranen Gelassenheit geprägt.

Adresse: Friedhofplatz, 4500 Solothurn (Altstadt)

🏛️ Geschichte: Von den Römern bis heute

Die Geschichte des Friedhofplatzes reicht weit zurück — weiter als die meisten Solothurner ahnen. Der Platz liegt auf dem Gelände des ehemaligen römischen Castrums, der Militärfestung, die die Römer hier ab dem 1. Jahrhundert nach Christus errichteten. An einem Hauseck am Friedhofplatz ist noch heute ein Rest der römischen Stadtmauer sichtbar — rund drei Meter dick, aus dem 4. Jahrhundert.

Bereits im 6. Jahrhundert stand auf dem heutigen Platz eine kleine Stefanskirche — die erste Kirche der Stadt Solothurn überhaupt. Sie befand sich noch innerhalb des alten römischen Kastells und gilt als ältestes Gotteshaus der Region.

Den wohl bedeutendsten Moment erlebte der Friedhofplatz im Jahr 1038: Kaiser Konrad II. krönte hier in der Stefanskapelle seinen Sohn Heinrich III. zum König des Königreichs Burgund — in Anwesenheit des gesamten burgundischen Hochadels. Solothurn war an jenem Tag Weltstadt. Was heute einem G7-Gipfel entspräche, fand auf diesem kleinen, stillen Platz statt.

🐷 Frühere Nutzung: Der Säulimäret

Lange bevor er Friedhofplatz hiess, war der Platz unter dem Namen «Säulimäret» bekannt — dem Schweizerdeutschen für Schweinemarkt. Jeden zweiten Montag im Monat wurden hier tatsächlich Schweine gehandelt; der Platz war ein lebendiger Handelsumschlagplatz im Herzen der Altstadt. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts fand dieser Tiermarkt noch statt.

Der Name «Friedhofplatz» erinnert daran, dass rund um die alte Stefanskirche über Jahrhunderte auch ein Friedhof lag — eine im Mittelalter übliche Praxis, Verstorbene direkt bei der Kirche zu bestatten.

🍽️ Heutige Nutzung: Grösste Restaurantdichte der Schweiz

Heute ist der Friedhofplatz vor allem eines: ein Genussplatz. Er gilt als der Platz mit der grössten Restaurantdichte der Schweiz — und wer einmal an einem warmen Sommerabend hier gesessen hat, versteht warum. Die Tische und Stühle der umliegenden Restaurants übersäen den ganzen Platz, die Platanen spenden Schatten, und der Autolärm bleibt draussen.

Die prominentesten Lokale am Platz:

  • Restaurant zum Alten Stephan (Friedhofplatz 10) — das älteste Restaurant der Stadt Solothurn. Ausgezeichnet mit dem Michelin Bib Gourmand, geführt von Tamara und Stefan Bader. Schnörkellose, erstklassige Küche, legendäre Terrasse direkt am Platz. Geöffnet Mi–Sa Mittag und Abend.
  • Restaurant Tiger — seit 1875 am Platz. Früher stand hier eine Bäckerei, 1875 zog der Staatskassier Viktor Güggi ein und begründete mit der stadtbekannten Köchin Susette den Ruf des Hauses. 1898 übernahm die Brauerei Feldschlösschen den Betrieb. Traditionswirtschaft mit Geschichte.

🎭 Der Simsonbrunnen

Mitten auf dem Friedhofplatz steht der Simsonbrunnen — einer der historischen Figurenbrunnen Solothurns. Bereits 1444 ist in der Abrechnung des Brunnenmeisters erstmals die Rede von Brunnen auf dem Platz. Die heutige Figur und Säule entstanden 1548 und sind das Werk von Bildhauer Laurent Perroud. Die erste Farbfassung besorgte Urs Amiet. Der Brunnen zeigt Simson, den biblischen Helden, und ist eines von insgesamt elf historischen Brunnen in der Solothurner Altstadt — die Zahl Elf ist in Solothurn bekanntlich kein Zufall.

🎉 Events: Das Herz der Solothurner Fasnacht

Einmal im Jahr verwandelt sich der Friedhofplatz in den wichtigsten Platz der Stadt: an der Chesslete, dem lärmenden Auftakt der Solothurner Fasnacht. Um 5 Uhr morgens versammeln sich Hunderte — manchmal Tausende — weissgekleidete Chesslerinnen und Chessler auf dem Säulimäret. Im Nachthemd, mit Zipfelmütze und rotem Halstuch, bewaffnet mit Kuhglocken, Rätschen, Hörnern und was auch immer Lärm macht.

Bis 5 Uhr herrscht eisernes Schweigen — «Vorhär wird nid g’chesslet!» lautet die Devise. Dann gibt der Oberchessler der Narrenzunft Honolulu das Startsignal, und die Altstadt erwacht mit ohrenbetäubendem Getöse. Die geheime Route durch die Gassen führt am Ende wieder zurück auf den Friedhofplatz, wo die Fackeln zu einem Feuer zusammengeworfen werden. Belohnung danach: gratis Mehlsuppe und Mütschli in den Beizen der Altstadt.

Historisch beginnt die Fasnacht noch früher: Seit 1888 versammelt sich die Narrenzunft Honolulu am Vorabend im «Zum Alten Stephan» — im Säli im ersten Stock zündet der Ober die Narrenlampe an. Ein Brauch, der seit über 135 Jahren ununterbrochen gepflegt wird.

Friedhofsplatz - Soltohurn
Friedhofsplatz – SoltohurnY

🏗️ Architektur & Besonderheiten

  • Römische Stadtmauer: Ein erhaltener Rest der rund 3 Meter dicken Mauer des römischen Castrums aus dem 4. Jahrhundert ist an einem Hauseck am Platz sichtbar.
  • Platanen: Die mächtigen Bäume spenden Schatten und prägen den Charakter des Platzes — autofreies Sitzen ohne Strassenlärm.
  • Simsonbrunnen: Figurenbrunnen von 1548, Teil der elf historischen Brunnen der Altstadt.
  • Historische Häuser: Die umliegenden Gebäude erzählen Jahrhunderte Stadtgeschichte — darunter das ehemalige Wirtshaus «Misteli-Gasche» an der Ecke Friedhofplatz/Pfisterngasse.

🚌 Anreise

Der Friedhofplatz liegt mitten in der autofreien Altstadt und ist nur zu Fuss erreichbar. Die nächste Bushaltestelle ist der Kronenplatz, wenige Gehminuten entfernt. Vom Hauptbahnhof Solothurn sind es zu Fuss rund 10 Minuten durch die Hauptgasse.

❓ Häufige Fragen

Warum heisst er Friedhofplatz?

Der Name erinnert an den mittelalterlichen Friedhof, der rund um die alte Stefanskirche auf dem Platz lag — eine in dieser Zeit übliche Praxis. Im Volksmund war der Platz lange als «Säulimäret» (Schweinemarkt) bekannt.

Was passiert auf dem Friedhofplatz jedes Jahr?

Der Friedhofplatz ist der Ausgangspunkt der Chesslete, dem Fasnachtsauftakt der Narrenzunft Honolulu. Jeden Schmutzigen Donnerstag um 5 Uhr morgens versammeln sich dort Hunderte weissgekleidete Chesslerinnen und Chessler.

Welche Restaurants gibt es am Friedhofplatz?

Der Friedhofplatz gilt als Platz mit der grössten Restaurantdichte der Schweiz. Die bekanntesten Adressen: «Zum Alten Stephan» (Michelin Bib Gourmand) und das Restaurant Tiger (seit 1875).

Was ist historisch besonders am Friedhofplatz?

Im Jahr 1038 krönte Kaiser Konrad II. hier in der Stefanskapelle seinen Sohn Heinrich III. zum König des Königreichs Burgund. Ausserdem liegt der Platz auf dem Gelände des alten römischen Castrums, und die erste Kirche Solothurns stand bereits im 6. Jahrhundert hier.

Du kennst den Friedhofplatz und möchtest mehr über die Plätze der Solothurner Altstadt erfahren? Schau auch unsere Beiträge zum Marktplatz, zum Kronenplatz und zum Klosterplatz an.

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