Solothurn Brunnen - Fischbrunnen : St. Ursen-Brunnen

Fischbrunnen Solothurn (St. Ursen Brunnen): Der wertvollste Brunnen der Stadt

Mitten auf dem Solothurner Marktplatz, direkt neben dem Zeitglockenturm, steht er: der Fischbrunnen, auch St.-Ursen-Brunnen genannt. Er ist der erste Brunnen, dem man bei einem Stadtspaziergang begegnet und er ist der prächtigste. Delfine speien Wasser aus langen Bronzeröhren, eine Meerjungfrau und ein Triton halten das Stadtwappen, und zuoberst schaut ein Bannerträger stolz in Richtung der St.-Ursenkathedrale. Wer nur einen Brunnen in Solothurn anschaut: dieser hier.

📍 Lage: wo genau steht er?

Der Fischbrunnen steht auf dem Marktplatz (Märetplatz) in der Solothurner Altstadt, dem zentralen Platz der Stadt, eingefasst von Barockfassaden und der Hauptgasse. Er steht unmittelbar neben dem Zeitglockenturm, dem ältesten Bauwerk der Stadt, und ist von der Hauptgasse wie von der Gurzelngasse aus direkt sichtbar. Wer vom Kronenplatz kommt, sieht ihn nach wenigen Schritten.

Adresse: Marktplatz, 4500 Solothurn, direkt neben dem Zeitglockenturm, Altstadt

Der Marktplatz ist autofrei. Zu Fuss vom Hauptbahnhof sind es rund 10 Minuten durch die Hauptgasse. An Markttagen (Mittwoch und Samstag, 08:00–12:00 Uhr) ist der Brunnen von Marktständen umgeben, ein besonders lebendiges Bild.

👁️ Das Erste, was man sieht: eine Beschreibung

Der Fischbrunnen ist ein Figurenbrunnen mit bemalter Kalksteinsäule. Was sofort auffällt:

  • Der Trog: ein mächtiges Monolithbecken aus einem einzigen Stück Solothurner Kalkstein, ruhend auf acht Kugeln mit feingeschwungenen Lisenen. Wer sich fragt, wie man einen so grossen Steinblock in einem Stück aus dem Steinbruch holte: Die Solothurner hatten nördlich der Stadt Steingruben, die solche Monolithe lieferten.
  • Die Säule: aus Neuenburger Kalkstein, mit kanneliertem Schaft, verziert mit Akanthusblättern und Frucht-Gehängen. Unten zwei geflügelte Köpfe, aus deren Delphinmäulern lange Bronzeröhren ragen, aus denen das Wasser speit.
  • Das Kompositkapitell: mit Widderköpfen, eines der kunstvollsten Details der ganzen Brunnensäule.
  • Die Schildhalter: eine Meerjungfrau und ein vollbärtiger Triton (halb Mann, halb Fisch) halten das Solothurner Stadtwappen.
  • Die Figur zuoberst: der Bannerträger oder Venner, die zweitmächtigste Amtsperson der Stadt nach dem Schultheissen. Er war verantwortlich für die militärische Sicherheit Solothurns. Treue und Disziplin in Stein. Sein Blick geht Richtung St.-Ursenkathedrale.

🏛️ Geschichte: vom Kronenplatz auf den Marktplatz

Die Geschichte des Fischbrunnens ist eine Geschichte der Wanderung. Er stand nicht immer auf dem Marktplatz. Solothurns wertvollster Brunnen, so wird er noch heute genannt, stand ursprünglich auf dem Kronenplatz, dem Platz vor dem legendären Hotel Krone (heute La Couronne). Dort war er das erste repräsentative Schmuckstück der Stadt, sichtbar für alle, die durch das Stadttor eintraten.

Erst 1780 wurde er von dort in die Mitte der Stadt versetzt, auf den Marktplatz, wo er heute noch steht. Der Grund für die Versetzung: Am Kronenplatz sollte ein neues Denkmal entstehen, und der Brunnen wich dem Platzbedarf. Seither prägt er das Bild des Marktplatzes und ist zu einem der bekanntesten Wahrzeichen Solothurns geworden.

Auch der alte achteckige Plattentrog von 1589, der ursprünglich zum Fischbrunnen gehörte, machte später eine weitere Reise: 1828 fand er am Klosterplatz-Brunnen eine neue Verwendung, wo er noch heute steht.

🛠️ Entstehung: wann, von wem, und warum auswärts?

Bevor die Solothurner Stadtväter 1545 mit der Sanierung der Brunnen begannen, holten sie sich zunächst den Rat auswärtiger Fachleute. Als erstes wurde der Fischbrunnen erneuert, er war der eigentliche Hauptbrunnen im Zentrum der Stadt und musste entsprechend repräsentativ sein.

Die Entstehung des heutigen Brunnens zieht sich über mehrere Jahrzehnte:

  • 1587/88 Jacques Perroud: schuf die Säule und die Bannerfigur. Jacques war der Sohn des berühmten Laurent Perroud jenem Bildhauer, der auch den Simson- und den Georgs-Brunnen geschaffen hatte. Die Familie Perroud aus dem neuenburgischen Cressier war die bedeutendste Bildhauer-Dynastie für die Solothurner Brunnen. Jacques war mit seinen Werken in Neuenburg, Biel, Delsberg, Le Landeron, Moudon, Porrentruy und Solothurn präsent.
  • 1613: Ein Steinmetz aus Delsberg schuf den noch heute stehenden Stock aus Neuenburger Kalkstein mit dem verzierten Schaft.
  • 1780: Der Brunnen wird vom Kronenplatz auf den Marktplatz versetzt, und das Becken erneuert.

👤 Der Bildhauer: Jacques Perroud, Sohn des Meisters

Der Fischbrunnen ist das Werk von Jacques Perroud und damit das einzige Werk, das die Familie Perroud in Solothurn in zwei Generationen hinterlassen hat. Sein Vater Laurent Perroud schuf 1548 den Simson- und den Georgs-Brunnen sowie 1561 den Gerechtigkeitsbrunnen. Dreissig Jahre später vollendete sein Sohn Jacques den Fischbrunnen.

Warum kam kein Solothurner Bildhauer zum Zug? Die Antwort liegt im Stein: Der harte, splittrige Solothurner Kalkstein eignete sich kaum für anspruchsvolle skulpturale Feinarbeit. Das einheimische Bildhauergewerbe beschränkte sich auf einfache Steinmetzarbeiten. Für die prominenten Figurenbrunnen holten die Stadtoberen deshalb die besten auswärtigen Künstler und die Familie Perroud war schlicht die beste der Region.

🐟 Was bedeutet «Fischbrunnen»?

Der Name «Fischbrunnen» hat zwei Erklärungen, die sich gegenseitig ergänzen. Einerseits sind am Brunnen Fischmotive präsent: die Delfine, aus deren Mäulern das Wasser speit, und die Meerjungfrau sowie der Triton als Schildhalter alles Wasserwesen. Andererseits stand der Brunnen zu einer Zeit, als er noch am Kronenplatz seinen Platz hatte, in unmittelbarer Nähe zum Fischmarkt der Stadt Fischhändler nutzten das Wasser zum Kühlen und Reinigen ihrer Waren.

Der zweite Name, St.-Ursen-Brunnen, leitet sich von der Sichtachse ab: Von der Brunnenfigur aus schaut man direkt auf die St.-Ursenkathedrale. Der Blick des Venners zeigt genau in diese Richtung, ein bewusstes städtebauliches Arrangement der Barockzeit.

💧 Wozu diente der Brunnen früher?

Der Fischbrunnen war kein Schmuckstück für Touristen, er war die lebenswichtige Trinkwasserversorgung für das Zentrum der Stadt. Im alten Solothurn galten strenge Regeln rund um die Brunnen:

  • Wasser durfte nur in sauberen Gefässen entnommen werden
  • Das Waschen von Wäsche oder Geschirr direkt am Brunnen war verboten
  • Tiere durften nicht direkt aus dem Trog trinken. dafür gab es separate Tränkbecken
  • Wer den Brunnen beschädigte oder verunreinigte, wurde bestraft

Die Brunnen versorgten die Altstadt bis ins 19. Jahrhundert mit frischem Wasser, das über ein unterirdisches Leitungssystem aus Quellen nördlich der Stadt herangeführt wurde.

🔧 Restaurierungen: gut gepflegt seit Jahrhunderten

Die historischen Brunnen Solothurns bedürfen ständiger Pflege. Flechtenbewuchs, Vogelexkremente, klimatische Einflüsse und gelegentlicher Vandalismus setzen dem Stein zu. In den letzten Jahren wurden im Rahmen des Hauenstein-Preises 2016 (der Ernst und Hanna Hauenstein-Stiftung) die fünf historisch bemalten Brunnenanlagen der Stadt restauriert, darunter auch der Fischbrunnen. Kantonsarchäologie und Denkmalpflege begleiten alle Restaurierungsarbeiten, um die Originalsubstanz zu erhalten.

Die Farbfassung der Brunnen wurde dabei sorgfältig untersucht und wo nötig erneuert, ein aufwändiges Handwerk, das die Leuchtkraft der Brunnen für weitere Jahrzehnte sichert.

🔢 Der Brunnen & die Zahl Elf

Der Fischbrunnen ist der erste der 11 historischen Brunnen auf dem offiziellen Brunnenbummel durch die Altstadt und steht damit symbolisch am Anfang der Elferzahl, die ganz Solothurn prägt. 11 Brunnen, 11 Türme, 11 Kirchen, 11 Altäre in der Kathedrale und eine Öufi-Uhr am Amthausplatz, die nur elf Stunden kennt. Kein Zufall: Die Zahl ist tief verwurzelt in der Stadtgeschichte und war schon zur Blütezeit der Ambassadorenstadt ein Identitätsmerkmal.

📸 Foto-Tipps

  • Beste Zeit: Morgens zwischen 8 und 10 Uhr weiches Seitenlicht, noch wenig Touristen. An Markttagen (Mi/Sa) mit bunten Marktständen im Hintergrund besonders lebendig.
  • Bester Winkel: Von der Gurzelngasse aus, mit dem Zeitglockenturm im Hintergrund das klassische Solothurn-Bild. Oder von schräg unten auf die Figur, um Venner und Kathedrale in einer Linie zu haben.
  • Detail: Die Delfine mit den Bronzeröhren und die Triton-Figur als Schildhalter, perfekte Nahaufnahmen für die Detailverlieбten.
  • Abend: Bei Gegenlicht spiegelt sich die farbige Säule schön im Brunnenwasser.

🚌 Anreise & Kombination

  • Zu Fuss vom Bahnhof: ca. 10 Minuten durch die Hauptgasse
  • Bus: Haltestelle Kronenplatz, dann 2 Minuten zu Fuss
  • Kombination: Direkt nebenan der Zeitglockenturm (ältestes Bauwerk der Stadt) und das Alte Zeughaus, drei Highlights auf engstem Raum. Weiter in 5 Minuten zum Gerechtigkeitsbrunnen an der Barfüssergasse.

❓ Häufige Fragen

Warum heisst der Brunnen Fischbrunnen?

Der Name geht auf die Fischmotive am Brunnen zurück, Delfine, Triton und Meerjungfrau, sowie auf den ehemaligen Fischmarkt in der Nähe des ursprünglichen Standorts am Kronenplatz. Der zweite Name «St.-Ursen-Brunnen» bezieht sich auf die Sichtachse zur St.-Ursenkathedrale, in die der Bannerträger auf der Brunnenfigur blickt.

Wer hat den Fischbrunnen gebaut?

Die Figur und die Säule schuf Bildhauer Jacques Perroud 1587/88, der Sohn des berühmten Laurent Perroud, der auch den Simson-, den Georgs- und den Gerechtigkeitsbrunnen schuf. Den heutigen Stock aus Neuenburger Kalkstein fertigte 1613 ein Steinmetz aus Delsberg.

Stand der Fischbrunnen schon immer auf dem Marktplatz?

Nein, ursprünglich stand er auf dem Kronenplatz, dem Platz vor dem historischen Hotel Krone. Erst 1780 wurde er auf den Marktplatz versetzt, wo er heute steht. Der alte Trog von 1589 wanderte später weiter zum Klosterplatz-Brunnen.

Was ist der Bannerträger auf dem Brunnen?

Der Bannerträger, auch «Venner» genannt, war die zweitmächtigste Amtsperson Solothurns nach dem Schultheiss. Er war verantwortlich für die militärische Sicherheit der Stadt und symbolisiert Treue und Disziplin. Sein Blick ist bewusst auf die St.-Ursenkathedrale ausgerichtet.

Ist das Wasser im Fischbrunnen trinkbar?

Die historischen Brunnen Solothurns sind heute in der Regel nicht mehr direkt an das Trinkwassernetz angeschlossen und dienen als Zierbrunnen. Für Trinkwasser gibt es in der Altstadt eigene Trinkbrunnen.

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