Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine Kleinstadt wie Solothurn heute noch mehrere bespielte Kinoleinwände aufweist. Dass dies möglich ist, hat auch damit zu tun, was verloren ging: drei Kinos, die in ihrer Blütezeit das kulturelle Leben der Stadt prägten und deren Verschwinden eine Lücke hinterliess, die bis heute spürbar ist. Das Rex, die Scala und das Elite sind verschwunden. Aber ihre Geschichten sind es nicht.
Solothurns Kinogeschichte: die Anfänge
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Bereits zur Stummfilmzeit verfügte Solothurn über drei Kinos. Das «Hirschen» (später Elite), das «Emmenthal» (später Capitol) und das «Palace» bildeten das erste Kinoangebot der Stadt. Auch im Rosengarten war zeitweise ein Projektionsapparat eingebaut. Solothurn war früh eine Kinostadt, was angesichts der geringen Stadtgrösse bemerkenswert ist.
Der grosse Kinoboom setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. In der Nachkriegszeit wuchs Solothurns Bevölkerung, der Lebensstandard stieg, und das Kino war das Massenmedium der Zeit. Zuerst kam das Fernsehen und machte dem Kino das Leben schwer, später kamen Video, DVD und schliesslich Streaming. Aber in den 1950er und 1960er Jahren lebte das Solothurner Kino in seiner grössten Blüte.
Die verschwundenen Kinos auf einen Blick
| Kino | Ursprünglicher Name | Standort | Betrieb | Geschlossen |
|---|---|---|---|---|
| Elite | Hirschen | Altstadt | Stummfilmzeit bis 1985 | 1985 |
| Scala | Scala | Innenstadt | Nachkriegszeit bis ca. 1988 | Ca. 1988 |
| Rex | Rex | Dornacherplatz | 1947 bis 1998 | 1998 |
Alle heute noch aktiven Kinos im Überblick: Die aktuelle Kinolandschaft Solothurn.
Das Kino Elite: das erste der drei verlorenen Häuser
Das Kino Elite, das seinen Ursprung im alten «Hirschen» hatte, war eines der drei Stummfilmkinos der Stadt. Es war das älteste der drei verlorenen Häuser und auch das erste, das schloss. 1985 beendete das Elite seinen Betrieb. In seinen späteren Jahren hatte es eine wenig schmeichelhafte Phase durchgemacht: Als die grossen Häuser das populärere Mainstream-Publikum bedienten, wurde das Elite zur Heimat der Sexfilmwelle. Titel wie «Unterm Dirndl wird gejodelt» flimmerten über die Leinwand.
Doch das Elite hatte auch eine bedeutendere Rolle gespielt: Es war einer der Orte, an denen die Filmgilde Solothurn, der über 1000 Mitglieder zählende Filmklub, die ersten Solothurner Filmtage ermöglichte. 1966 wollten junge Filmschaffende der Schweiz eine Plattform. Die Filmgilde bekam das Elite zur Verfügung. Der Vereinsvorstand verpackte im Büro des Präsidenten Paul Schmid die Einladungen für die erste Tagung «Schweizer Film heute» persönlich von Hand. Was damals in Solothurn begann, ist heute das bedeutendste Filmfestival der Schweiz mit über 65’000 Eintritten jährlich.
Das Kino Scala: Zarah Leander, Fassbinder und die Filmtage
Das Kino Scala war in seiner Blütezeit eine der kulturell bedeutendsten Spielstätten der Stadt. Hier gab Zarah Leander auf ihrer Abschiedstournee ein Gastspiel. Hier, bei den Solothurner Filmtagen, begegnete das Solothurner Publikum Rainer Werner Fassbinder, Maria Schrader, Voli Geiler und Mathias Gnädinger. Das Scala war für die Filmtage in ihren frühen Jahren eine der wichtigsten Spielstätten und damit Teil der Geschichte des Neuen Schweizer Films.
Betrieben wurde es damals von Walter R. Weber, der immer persönlich im Foyer stand und sich mit dem Publikum unterhielt. Seine Gattin führte die Kasse, ein Operateur bediente den Projektor, und ein oder zwei Platzanweiser führten die Gäste zu ihren Sitzen. Oft waren das Kantonsschüler. So auch der heutige Gemeindepräsident von Biberist, Stefan Hug, der als junger Mann im Scala Platzanweiser war.
Weber programmierte das Scala mit Gespür für das Publikum. Manchmal auch mit Risiko. Als er den Film «…et Dieu créa la Femme» von Roger Vadim mit Brigitte Bardot und Curd Jürgens ankündigte, erschien die kantonale Filmzensur am Starttag zur Vorführung. Damals gab es noch eine kantonale Filmzensur, und unter den Mitgliedern war auch die Lehrerin und Volksschriftstellerin Elisabeth Pfluger. In einer Szene des Films war kurz der Busen der Bardot zu sehen. Das reichte: Der Film wurde verboten, am Dienstag lief er nicht mehr. Das Solothurner Kinopublikum wusste jedoch, dass der Film am Montag sicher und ungeschnitten zu sehen gewesen war. Der Ansturm am Starttag war entsprechend gross.
Später fand auch im Scala die Sexfilmwelle eine Heimat. Als das Kino diese Phase hinter sich hatte und wieder als Kulturort wahrgenommen wurde, war es als Spielstätte der Filmtage bereits etabliert. Nach der Schliessung des Scala vergingen zehn Jahre, bis auch das Rex folgte.
Das Kino Rex: der grosse Palast am Dornacherplatz
Das Rex war das jüngste der drei verschwundenen Kinos, aber das grösste und eindrücklichste. 1947 liess es die Familie Mauerhofer am Dornacherplatz erbauen. Architekt war Oskar Sattler, und er schuf einen Saal, der in seiner Konzeption den grossen Kinopalästen der Städte wie Zürich, Bern oder Basel nachempfunden war. Ein Kinopalast mitten in Solothurn. Gross, stilvoll, mit dem Anspruch auf Klasse.
Das Rex war von Anfang an auf publikumswirksame Filme ausgerichtet. Bekannt und beliebt waren die legendären Doppelprogramme: zwei Filme für einen Eintritt. In der Regel waren das eher kurze Streifen, aber das Publikum liebte dieses Angebot. Manchmal half man nach: Beim Episodenfilm «Woman Times Seven» von Vittorio de Sica mit Shirley MacLaine und Anita Ekberg wurde kurzerhand eine Episode nicht gezeigt, damit der Abend in der Zeit blieb.
Auch die italienischen Gastarbeiter, die ab den 1950er Jahren nach Solothurn kamen, besuchten das Rex regelmässig. Da es noch kein Video gab, war das Kino ihr Fenster zur Welt. Weber stand immer im Foyer und unterhielt sich mit dem Publikum, seine Gattin führte die Kasse.
Mit den Jahren wurde das Kino Rex eine Opfer seines eigenen Anspruchs. Der grosse, den Kinopalästen nachempfundene Saal war für das spärlicher werdende Publikum schlicht zu gross. Leere Reihen und der Geruch nach vergangener Grösse prägten die späten Jahre. Einen letzten Höhenflug erlebte das Rex im Januar 1998: James Camerons «Titanic» lief vor ausverkauftem Saal. Es war einer der letzten Abende, bei dem das Rex das zeigte, was es einmal gewesen war: ein voller, lebendiger Kinopalast.
Kurz danach schloss das Rex endgültig. Der Saal am Dornacherplatz, den Oskar Sattler einst als kleinen Kinopalast für Solothurn entworfen hatte, wurde nicht mehr bespielt.
Was blieb: die Filmtage und die lebendige Kinolandschaft
Mit den Schliessungen von Elite (1985), Scala und schliesslich Rex (1998) verlor Solothurn drei seiner historischen Lichtspielhäuser. Die Kinolandschaft der Stadt schrumpfte radikal zusammen. Und doch: Was mit dem Elite 1966 begann, hat überlebt und ist heute weltbekannt. Die Solothurner Filmtage, gegründet in einem kleinen Kinogebäude mit bescheidenen Mitteln, sind heute das bedeutendste Filmfestival der Schweiz. Der «Prix de Soleure» ist mit 60’000 Franken einer der wichtigsten Kulturpreise des Landes.
Und die verbliebenen Kinos haben ihre Nischen gefunden: das Palace als historisches Stadtkino mit seiner einzigartigen Atmosphäre, das Capitol als verlässliches Vorstadt-Lichtspielhaus, die Canva-Häuser in Zuchwil für das breite Publikum und das Uferbau-Kino für alle, die Arthouse dem Mainstream vorziehen. Sieben Leinwände, zählt man das Openair dazu. Für eine Stadt wie Solothurn eine bemerkenswerte Dichte.
Rex, Scala und Elite sind verschwunden. Aber ohne sie gäbe es die Filmtage nicht, die Solothurn weltweit auf die Kinokarte gesetzt haben. Das ist ihr bleibendes Erbe.
Quellen: Solothurner Zeitung (Artikel «Als es noch die Kinos Rex, Scala und Elite gab», Dezember 2025) | solothurnerfilmtage.ch | cinemabuch.ch | Wikipedia Solothurner Filmtage

