Die 11 Brunnen von Solothurn: Der grosse Überblick

Solothurn ist die Stadt der Elf und nirgends zeigt sich das sichtbarer als an den Brunnen. 11 historische Figurenbrunnen verteilen sich über die Altstadt, jeder ein Kunstwerk für sich, jeder mit einer eigenen Geschichte. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist Solothurn damit die brunnenreichste Stadt der Schweiz. Was die Brunnen so besonders macht: Sie sind nicht einfach Wasserspender, sondern steinerne Zeugen des Reichtums, der Macht und der Bildung, die die Ambassadorenzeit in die Stadt brachte. Wer die 11 Brunnen kennt, versteht Solothurn.

Und wer genau hinschaut, entdeckt einen roten Faden: Laurent Perroud, ein Bildhauer aus dem neuenburgischen Cressier, hat gleich drei der bedeutendsten Brunnen geschaffen, den Simson-Brunnen (1548), den Georgs-Brunnen (1548) und den Gerechtigkeitsbrunnen (1561). Kein einziger der fünf Renaissance-Figurenbrunnen stammt von einem Solothurner: Der harte, splittrige Jurakalkstein der Region eignete sich kaum für anspruchsvolle Skulpturen, also holten die Stadtoberen die besten Bildhauer aus der ganzen Schweiz.

💧 Warum hat Solothurn 11 Brunnen?

Die meisten der historischen Brunnen entstanden im 16. Jahrhundert, einer Ära, in der Solothurn als Sitz der französischen Ambassadoren zu einem der reichsten und einflussreichsten Städtchen der Eidgenossenschaft aufstieg. Frankreich unterhielt hier von 1530 bis 1792 seine ständige Botschaft und der Reichtum, der mit den Ambassadoren in die Stadt floss, liess sich nirgends eindrücklicher zur Schau stellen als auf dem öffentlichen Platz: in prächtigen Fassaden, eleganten Palais und in kunstvoll gestalteten Brunnen.

Die Brunnen hatten dabei eine Doppelfunktion: Sie versorgten die Bevölkerung mit Trinkwasser und sie waren Statussymbole. Eine Stadt, die sich Laurent Perroud aus Cressier leisten konnte, der auch in Lausanne und Neuenburg arbeitete, war keine gewöhnliche Stadt. Die Figurenthemen, biblische Helden, Heilige, Allegorien der Gerechtigkeit, spiegelten den gegenreformatorischen Geist des streng katholischen Solothurns wider.

Warum genau elf? Die Zahl ist Teil des grossen Solothurner Elfer-Mythos: 11 Türme, 11 Kirchen, 11 Altäre in der Kathedrale, eine Uhr mit nur 11 Stunden. Die 11 Brunnen fügen sich nahtlos ein, wobei der jüngste, der Dornacher-Brunnen von 1930, explizit gestiftet wurde, um die symbolische Elfzahl zu vervollständigen.

⭐ Die drei Brunnen, die du zuerst sehen solltest

⚔️ Gerechtigkeitsbrunnen: der eindrücklichste

Frau Justitia mit verbundenen Augen, Richtschwert und Waage und zu ihren Füssen der Papst, der Kaiser, der Sultan und der Schultheiss. Vollendet 1561 von Laurent Perroud, das Becken 1789 nach Plänen von Paolo Antonio Pisoni. Wer nur einen Brunnen anschaut: dieser.

Beitrag folgt in Kürze.

💪 Simson-Brunnen: der älteste seiner Art

1548 von Laurent Perroud geschaffen, der älteste Simson-Brunnen der Schweiz. Der biblische Held steht für Kraft und Gottvertrauen. Zwei Hälften aus Solothurner Stein bilden den Trog. Steht auf dem Friedhofplatz, dem ältesten Platz der Stadt, eine doppelte Geschichte.

→ Zum Beitrag Simson-Brunnen

🏆 Dornacher-Brunnen: der jüngste

1930 gestiftet von der St.-Margarithen-Bruderschaft, explizit um die Elfer-Zahl zu vervollständigen. Zeigt einen gepanzerten Bannerträger, der an die Schlacht bei Dornach von 1499 erinnert. Der jüngste der 11 Brunnen erzählt die älteste Geschichte.

→ Mehr im Beitrag Rossmarktplatz


🎨 Laurent Perroud: der Mann hinter drei Brunnen

Wer die Geschichte der Solothurner Brunnen verstehen will, kommt an einem Namen nicht vorbei: Laurent Perroud aus dem neuenburgischen Cressier (damals Grissach). Er schuf gleich drei der bedeutendsten Renaissance-Figurenbrunnen der Stadt und das innerhalb von nur 13 Jahren:

  • Georgs-Brunnen (1548): heiliger Georg tötet den Drachen, Trog aus einem einzigen Stück Jurakalkstein
  • Simson-Brunnen (1548): ältester Simson-Brunnen der Schweiz, Friedhofplatz
  • Gerechtigkeitsbrunnen (1561): Justitia mit Kaiser, Papst, Sultan und Schultheiss zu Füssen

Dass kein Bildhauer aus Solothurn selbst diese Aufgaben übernahm, hat einen schlichten Grund: Der harte, splittrige Solothurner Kalkstein eignete sich kaum für anspruchsvolle skulpturale Arbeiten. Das einheimische Bildhauergewerbe beschränkte sich auf einfachere Steinmetzarbeiten. Für die prominenten, künstlerisch anspruchsvollen Brunnenfiguren holte der Stadtrat die besten auswärtigen Kräfte und Perroud war der beste seiner Zeit in der Region.

Alle 11 Brunnen im Überblick

#NameBaujahrStandortFigur / BesonderheitBeitrag
1Fischbrunnen / St.-Ursen-Brunnen1. Hälfte 16. Jh.MarktplatzWappenschildträger, Fisch-Motiv; Bildhauer Heinrich Müller aus Delsberg→ Zum Beitrag
2Gerechtigkeitsbrunnen1561BarfüssergasseJustitia mit Kaiser, Papst, Sultan & Schultheiss; Becken 1789 nach Pisoni→ Zum Beitrag
3Simson-Brunnen1548FriedhofplatzÄltester Simson-Brunnen der Schweiz; Laurent Perroud→ Zum Beitrag
4Gedeon-Brunnen16. Jh.HauptgasseAlttestamentlicher Richter und Held; Figurenbrunnen→ Zum Beitrag
5Maurizius-Brunnen16. Jh.GurzelngasseAnführer der thebäischen Legion; Figur Hans Gieng zugeschrieben, künstl. HighlightFolgt
6Klosterplatz-Brunnen16./17. Jh.KlosterplatzVor der Jesuitenkirche; am schönsten situierter Brunnen der Stadt→ Zum Beitrag
7Moses-Brunnen16./17. Jh.InnenstadtMose mit Gesetzestafeln; Thema der Gegenreformation→ Zum Beitrag
8Hintergass-Brunnen16./17. Jh.HintergasseVerstecktester der 11 Brunnen; im ursprünglichsten Kontext→ Zum Beitrag
9Georgs-Brunnen1548BörsenplatzGeorg tötet Drachen; Trog aus einem Stück Jura-Kalkstein; 1777 versetzt→ Zum Beitrag
10Franziskaner-Brunnen16./17. Jh.FranziskanerplatzBeim ältesten Kloster der Stadt; unter Denkmalschutz→ Zum Beitrag
11Dornacher-Brunnen1930RossmarktplatzJüngster Brunnen; gepanzerter Bannerträger; gestiftet um die Elfer-Zahl zu vervollständigen→ Rossmarktplatz

🚶 Der Brunnenbummel: Alle 11 in 11×11 Minuten

Solothurn Tourismus bietet die offizielle Broschüre «Brunnenbummel in 11×11 Minuten» an, ein selbst geführter Rundgang durch alle 11 Brunnen der Altstadt. Die Brunnen liegen alle innerhalb der kompakten Altstadt und sind gut zu Fuss erreichbar. Wer die Brunnen entdecken möchte, kann auch einfach ohne Plan durch die Gassen flanieren: In der Altstadt stösst man automatisch auf die nächste Kostbarkeit.

Der Rundgang startet am besten beim Fischbrunnen auf dem Marktplatz, dem zentralen Platz der Altstadt und führt von dort durch Hauptgasse, Gurzelngasse, Barfüssergasse, Hintergasse und über den Klosterplatz bis zum Friedhofplatz. Wer danach noch Energie hat, schliesst den Bogen über den Rossmarktplatz zum Dornacher-Brunnen.

💡 Wusstest du?

  • Insgesamt gibt es in Solothurn über 40 Brunnen im Stadtgebiet, die 11 historischen sind nur die prominentesten.
  • Der Dornacher-Brunnen von 1930 wurde bewusst als elfter gestiftet, um die Elfer-Zahl zu vervollständigen, der Bildhauer Robert Rudolf war ein Schüler von Robert Kissling, dem Schöpfer des Telldenkmals in Altdorf.
  • Laurent Perroud schuf drei der fünf Renaissance-Figurenbrunnen, kein einziger stammt von einem Solothurner Bildhauer.
  • Das Becken des Gerechtigkeitsbrunnens stammt von 1789 und wurde nach Zeichnungen von Paolo Antonio Pisoni gestaltet, demselben Architekten, der das Alte Spital und die St. Ursenkathedrale vollendete.
  • Solothurn ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl die brunnenreichste Stadt der Schweiz.

Alle Beiträge zu den einzelnen Brunnen werden laufend ergänzt | Lesezeichen setzen lohnt sich! Mehr zum Thema Stadtgeschichte: Die 11 Plätze von Solothurn · Friedhofplatz · Rossmarktplatz & Dornacher-Brunnen

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