Wer Solothurn von Osten her betritt, passiert eines der eindrücklichsten Stadttore der Schweiz: das Baseltor. Drei mächtige Rundtürme aus hellem Jurakalkstein, verbunden durch einen massiven Tordurchgang, ein meisterhafter Festungsbau, der nicht nur militärische Stärke demonstrierte, sondern auch eine der dramatischsten Geschichten der Stadtgeschichte trägt. Am genau diesem Ort vereitelte ein einzelner Mann einst einen feindlichen Überfall, der Solothurn hätte vernichten können.
Lage & Orientierung
Inhaltsverzeichnis
Das Baseltor steht am östlichen Altstadteingang von Solothurn und markiert den Übergang zwischen der historischen Altstadt und dem modernen Stadtgebiet. Die Adresse lautet sinngemäss Hauptgasse / Ostrand der Altstadt, in unmittelbarer Nähe zum Riedholzplatz und zum gleichnamigen Hotel-Restaurant Baseltor.
Vom Hauptbahnhof Solothurn ist das Baseltor in rund 10 Gehminuten erreichbar, einfach der Hauptgasse ostwärts folgen, vorbei am Zeitglockenturm und der St.-Ursen-Kathedrale, bis das Tor am Ende der Achse auftaucht. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die St.-Ursenkathedrale (100 m westlich), der Riedholzplatz mit seinen Restaurants und das Parkhaus Baseltor.
Das Tor ist von Weitem sichtbar: Wer die Hauptgasse von der Altstadt her ostwärts geht, sieht das Baseltor als mächtigen Abschluss der Gasse. Zusammen mit dem benachbarten St.-Ursenturm bildet es eine architektonische Gruppe, die in dieser Dichte in der Schweiz ihresgleichen sucht.
Das Erste, was man sieht: Baubeschreibung
Das Baseltor ist kein einzelner Turm, sondern ein dreiteiliges Torensemble: ein Mittelturm mit Tordurchgang, flankiert von zwei Rundtürmen (Nord- und Südturm). Alle drei sind aus Solothurner Jurakalkstein gebaut, dem hellen, warmen Stein, der auch die Kathedrale prägt und der ganzen Altstadt ihre charakteristische Farbe gibt.
Die Türme sind kreisrund im Grundriss, mit kräftigen Mauern und Schiessscharten, die noch heute die ursprüngliche Wehrfunktion erahnen lassen. Die Brustwehr, die 1535/36 unter Konrad Gibelin, dem Sohn des Erbauers, verstärkt wurde, um gegen Kanonenbeschuss besser gewappnet zu sein, verleiht dem Bau seine heutige wuchtige äussere Form. Die Bedachung folgte erst in den 1540er-Jahren gemäss Ratsbeschlüssen von 1540.
Zusammen mit dem benachbarten St.-Ursenturm bildet das Baseltor eine grossartige Architektengruppe, ein Zusammenspiel von Tor, Flankenturm und Verteidigungsmauer, das den Osteingang der Stadt bis heute wirkungsvoll definiert.
Geschichte & Entstehung
Bevor das heutige Baseltor stand, bewachte an dieser Stelle das Eichtor, ein hölzernes Tor, das für den östlichen Stadteingang zuständig war. An genau diesem Ort spielte sich am 10. November 1382 die berühmte Mordnacht von Solothurn ab: Hans Roth von Rumisberg verriet rechtzeitig den Plan des Grafen Rudolf II. von Neu-Kyburg, die Stadt mit Waffengewalt zu überwältigen. Die Solothurner konnten sich verteidigen, die Stadt war gerettet.
Nach dem Schwabenkrieg (1499) beschloss die Stadt, die Befestigungsanlagen grundlegend zu erneuern. Erbauer des neuen Baseltors war Hans Gibelin, ein Oberitaliener, der sich 1497 in Solothurn niedergelassen hatte. Im Jahr 1502 erhielt er den Auftrag, von Grund auf ein Tor und zwei Rundtürme zu errichten. Bereits im Oktober 1504 wurde das Bauwerk durch einen Ratsbeschluss abgenommen, die Abmessungen wurden in Klaftern ermittelt. Hans Gibelin erhielt für seine Arbeit 2002 Gulden. Noch im selben Jahr wurde ihm der Auftrag erteilt, die Seitentürme und den «mittel thurm» um weitere zwei Klafter zu erhöhen, dafür erhielt er zusätzliche 1000 Gulden. Die gesamten Baukosten von 3002 Gulden entsprechen einem heutigen Wert von über 600’000 Franken.
Die Mordnacht von 1382: Eine Geschichte für die Ewigkeit
Die Solothurner Mordnacht ist eines der dramatischsten Kapitel der Stadtgeschichte und das Baseltor trägt dieses Erbe buchstäblich im Fundament. Graf Rudolf II. von Neu-Kyburg hatte Verbündete im Innern der Stadt: einige Chorherren des St. Ursenstifts sollten ihm den Einlass in die Stadtmauern erleichtern. Er versammelte seine Streitmacht bei Wiedlisbach. Doch sein Plan wurde vorzeitig verraten, der Legende nach durch Hans Roth von Rumisberg, der am Eichtor Wache hielt.
Roth warnte die Bürger, die Stadt konnte sich vorbereiten und den Angriff abwehren. Sein mutiger Einsatz sicherte das Überleben Solothurns als freie Reichsstadt. Die Ehrung seiner Familie besteht bis heute fort. Der Mord an einem Chorherren durch einen aufgebrachten Mob brachte Solothurn allerdings unter den Kirchenbann, eine Strafe, die erst nach langen Verhandlungen aufgehoben wurde. Das Baseltor, das 122 Jahre später an genau diesem Ort errichtet wurde, ist damit auch ein Denkmal dieser Schicksalsnacht.
Frühere Nutzung
Das Baseltor war das Haupttor am östlichen Stadteingang, eine der wichtigsten Kontrollfunktionen in einer mittelalterlichen Stadt. Durch dieses Tor führte die Strasse nicht, wie der Name vermuten lässt, direkt nach Basel. Tatsächlich leitete das Tor den Verkehr über Biberist nach Bern, was bis heute bei Besuchern für Verwirrung sorgt. Der Name «Baseltor» bezieht sich wohl eher auf die Himmelsrichtung als auf das Reiseziel.
Militärisch diente das Tor zur Kontrolle aller Einreisenden, zur Erhebung von Zöllen und zur Abwehr feindlicher Angriffe. Die Schiessscharten in den Rundtürmen waren für Armbrustschützen und später für Feuerwaffen ausgelegt. Nach dem Bau des barocken Schanzengürtels ab 1667 verlor das Tor seine primäre Verteidigungsfunktion, der Schanzengürtel lag nun vor dem Tor und bildete die eigentliche erste Verteidigungslinie.
Schicksalhafte Momente
Das Baseltor hat mehrere Bewährungsproben überstanden. 1532 starb Erbauer Hans Gibelin, sein Sohn Konrad Gibelin trat an seine Stelle. Drei Jahre später, 1535, erhielt er den dringenden Auftrag, die Brustwehr an den drei Türmen zu verstärken, um den Turm gegen Kanonenbeschuss widerstandsfähiger zu machen: die Arbeit musste bis Pfingsten 1536 fertiggestellt sein. Diese Verstärkung prägt das heutige Erscheinungsbild des Tors entscheidend.
Im 19. Jahrhundert drohte dem Baseltor dasselbe Schicksal wie den Berntoren und dem Wassertor: Im Zuge von Strassenverbreiterungen und modernem Stadtdenken wurden zahlreiche historische Bauten geschliffen. Dass das Baseltor erhalten blieb, ist dem frühen Heimatschutzgedanken in Solothurn zu verdanken und wohl auch der Tatsache, dass das Tor mit dem benachbarten St.-Ursenturm ein zu imposantes Ensemble bildete, das die Bürger nicht aufgeben wollten.
Nutzungswandel im 19./20. Jahrhundert
Nach dem Ende der militärischen Funktion wurde das Baseltor der Unteroffiziersvereins Solothurn (UOV) übergeben, der das Tor bis heute als Vereinslokal nutzt. Die Räume wurden im Laufe der Zeit modernisiert, elektrische Anschlüsse wurden verlegt, eine Heizung eingebaut (angeschlossen an das benachbarte Kapitelhaus) und rund 350 Meter Rohre verlegt.
Heute ist das Baseltor eine der wenigen historischen Befestigungsanlagen der Schweiz, die aktiv für Anlässe und Veranstaltungen gemietet werden können, eine kluge Lösung, die dem Turm Leben einhaucht und gleichzeitig seine Erhaltung finanziert.
Die Stadtbefestigung als System
Das Baseltor gehört zur zweiten Befestigungsepoche Solothurns, den Erweiterungen nach dem Schwabenkrieg um 1500, als die Stadt ihre Mauern modernisierte und an die veränderte Kriegsführung (Artillerie!) anpasste. Zusammen mit dem Bieltor (Westseite) und dem Riedholzturm bildet es das System der Renaissance-Befestigung.
Rund 130 Jahre später wurde ausserhalb des Baseltors der barocke Schanzengürtel im System Vauban errichtet, ein aufwendiges Befestigungswerk, das die Stadt rund 5 Millionen Franken kostete. Das Baseltor lag nun im Innern dieses neuen Systems und verlor seine Funktion als äusserste Verteidigungslinie. Die Riedholzschanze östlich des Tors ist noch heute teilweise erhalten und sichtbar.
Heutige Nutzung & Aktuelles
Das Baseltor kann für private Anlässe gemietet werden und bietet folgende Räume:
- Nordturm: Eingang mit Toilette, Waffenraum, Ausstellungsraum mit fünf Tischen und 30 Stühlen
- Mittelturm: Fahnenraum, Archiv, Sitzungszimmer mit drei Tischen und 20–25 Plätzen
Alle Räume sind mit elektrischem Anschluss versehen und werden im Winter geheizt. Möglichkeiten der Nutzung: Sitzungen, Ausstellungen, Apéros, Präsentationen und Essen. Anfragen für Mietanlässe: über die Stadt Solothurn oder das Solothurn Tourismus Office, Hauptgasse 69, +41 32 626 46 66.
Von aussen ist das Baseltor jederzeit frei und kostenlos zugänglich und besichtigbar. Das benachbarte Hotel-Restaurant Baseltor (genossenschaftlich geführt, seit 1874 als Gasthaus genutzt) ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Rast nach der Turm-Besichtigung.
Architektonische Besonderheiten
Was das Baseltor von allen anderen Türmen Solothurns unterscheidet, ist die dreiteilige Toranlage mit zwei flankierenden Rundtürmen, ein für die Schweiz ungewöhnlich vollständig erhaltenes Ensemble dieser Qualität. Werkmeister Hans Gibelin brachte oberitalienische Bautradition mit, was sich in der präzisen Ausführung der Rundtürme und der gesamten Anlage zeigt.
Kunsthistorisch steht das Baseltor im Übergang von der Spätgotik zur Renaissance: Die Rundfom der Türme und die Anpassung an die Artilleriekriegsführung sind typische Merkmale des frühen 16. Jahrhunderts. Das Tor demonstriert eindrücklich, wie sich Festungsbau und Ästhetik in dieser Epoche verbanden.
Die schönste Sichtachse ist die Hauptgasse von West nach Ost: Der Zeitglockenturm im Rücken, die St.-Ursen-Kathedrale seitlich und das Baseltor als imposanter Abschluss der Gasse. Wer von aussen (Osten) auf das Tor zugeht, erlebt die eindrucksvolle Dreiturmfassade frontal.
Die Zahl 11 & das Baseltor
Das Baseltor steht in der Elfzahl der Solothurner Türme an Platz 2, und das ist kein Zufall. Als Wahrzeichen des Osteingangs ist es das meistphotographierte Tor der Stadt und eines der meistgesuchten Stichwörter, wenn Besucher Solothurn online entdecken.
Zusammen mit dem St.-Ursenturm bildet es ausserdem ein Zweier-Ensemble, auch die Zahl 2 hat in der Elfzahl-Logik Solothurns ihren Platz. Die Verbindung zur Elfzahl ist auch zeitlich interessant: Das Baseltor wurde 1504 fertiggestellt, zu einer Zeit, als Solothurn bereits seit 23 Jahren der 11. Kanton der Eidgenossenschaft war.
Foto-Tipps
Beste Tageszeit: Morgens (8–10 Uhr), wenn das Licht von Osten direkt auf die Toranlage fällt und die Jurakalkstein-Fassade warm leuchtet. Am frühen Abend wirft die untergehende Sonne lange Schatten, die die Rundformen der Türme plastisch hervortreten lassen.
Bester Standpunkt: Von der Hauptgasse, etwa 40–60 Meter westlich, so kommt das gesamte Dreiturm-Ensemble ins Bild. Für die Gegenperspektive: Von Osten her (Riedholzplatz) auf das Tor zugehen und die Frontalansicht nutzen. Detail-Aufnahmen: Schiessscharten, Mauerstruktur, Übergang zwischen Mittelturm und Flankenturm.
Kombinationen: Baseltor + St.-Ursenturm als Doppelmotiv. Im Winter mit Schnee ist die helle Kalksteinfassade besonders kontrastreich. Beim Solothurner Weihnachtsmarkt leuchten die Stände vor dem Tor romantisch.
Anreise & Kombination
Zu Fuss vom Bahnhof: Ca. 10 Minuten, Hauptgasse entlang ostwärts.
Parkhaus: Parkhaus Baseltor, direkt beim Tor, ideal für Besucher mit Auto.
Bus: Haltestelle «Solothurn, Stadtmitte» oder «Solothurn, Baseltor».
Sinnvolle Kombinationen: Baseltor + St.-Ursenturm (direkt nebenan) + St.-Ursen-Kathedrale (150 m) + Zeitglockenturm (700 m westlich) ergibt eine kompakte Runde durch die Highlights der Altstadt. Wer anschliessend einkehren möchte: Das Hotel-Restaurant Baseltor liegt buchstäblich einen Steinwurf entfernt.
→ Zum Übersichtsartikel: Die 11 Türme von Solothurn
FAQ
Wann wurde das Baseltor gebaut?
Das Baseltor wurde zwischen 1502 und 1504 von Werkmeister Hans Gibelin erbaut und im Oktober 1504 durch Ratsbeschluss abgenommen. 1535/36 wurde es durch Konrad Gibelin, den Sohn des Erbauers, verstärkt, seitdem hat es seine heutige äussere Form.
Was hat die Mordnacht von 1382 mit dem Baseltor zu tun?
Am Ort des heutigen Baseltors stand früher das hölzerne Eichtor. Dort vereitelte Hans Roth von Rumisberg am 10. November 1382 den Überfall des Grafen Rudolf II. von Neu-Kyburg auf die Stadt. Das Baseltor wurde 122 Jahre später exakt an dieser historisch bedeutsamen Stelle errichtet.
Kann man das Baseltor mieten?
Ja, das Baseltor kann für Sitzungen, Ausstellungen, Apéros und andere private Anlässe gemietet werden. Der Nordturm bietet Platz für bis zu 30 Personen, der Mittelturm für 20–25 Personen. Anfragen über das Solothurn Tourismus Office, Hauptgasse 69.
Warum heisst es Baseltor, wenn es nicht nach Basel führt?
Das ist tatsächlich ein häufiges Missverständnis: Das Tor führte nicht direkt nach Basel, sondern über Biberist nach Bern. Der Name bezieht sich wohl auf die Himmelsrichtung (Nordosten, Richtung Basel) und hat sich historisch eingebürgert, ungeachtet des tatsächlichen Strassenziels.
Was kostet ein Besuch des Baseltors?
Der Aussenbereich ist jederzeit frei und kostenlos zugänglich. Für geführte Besichtigungen oder Mietanlässe im Innern bitte direkt beim Solothurn Tourismus Office anfragen.
Teil der Serie «Die 11 historischen Türme von Solothurn» | Quellen: Solothurn Tourismus, Unteroffiziersverein Solothurn (UOV), Wikipedia, Schweiz Tourismus, Swiss Historic Hotels

